Ich wundere mich, dass Menschen andere zu kennen glauben, die ihnen noch nie im Leben begegnet sind! Über Leute, die meinen, sie könnten die Träume Fremder deuten und müssten ihnen daraufhin Defizite bescheinigen. Die glauben, sie könnten aufgrund von hellseherischen Fähigkeiten via Internet erkennen, welche Charakterfehler und Schwächen andere haben!
Ich staune, dass Menschen meinen, sie könnten den Schutz der Privatsphäre mit Füßen treten, die glauben, andere müssten sich ihnen gegenüber offenbaren und hätten nicht die Freiheit und das Recht, nur das über sich Preis zu geben, was sie selbst für richtig halten.
Merkwürdig auch, dass Hobbyautoren ihre provokanten Thesen, Texte, Artikel und Verse in einem Internetforum veröffentlichen und damit einer breiten anonymen Leserschaft präsentieren und sich dann darüber ärgern, wenn diese nicht nur mit Zustimmung aufgenommen, sondern auch mit kritischen Kommentaren beantwortet werden.
Kann man ernsthaft annehmen, dass jeder Leser Persiflagen zum Thema "Kampfhund beißt Kleinkind tot" - "Auch Gewalttäter und Sexualverbrecher werden ungeachtet ihrer Taten im Paradies des allumfassenden Verständnis Liebe erfahren" u.ä.m. gut findet?
Oder dass Artikel übers "Komasaufen", "hemmungslose Sexorgien", Hundekot, platter Auflistung irgendwelcher Sprüche oder solche, die gespickt sind mit pauschalisierender Fremden- und Islamfeindlichkeit kommentarlos hin genommen oder gar positiv aufgenommen werden? Dass Artikel, die von Vorurteilen gegenüber Frauen, Migranten, Jugendlichen oder Andersdenkenden usw. nur so strotzen, ohne Widerspruch bleiben?
Will die Mehrheit der "Autoren, Dichter und Denker" auf der Internetplattform für "reife Menschen" lediglich Zustimmung für ihre "Werke" erfahren?
Warum schaffen es nur die wenigsten, auf sachliche inhaltsbezogene Kritik nicht ebenso sachlich zu reagieren?
Warum werden Kommentatoren beschimpft, beleidigt, lächerlich gemacht, indem ihnen Motive oder Charakterzüge unterstellt werden, die durch nichts in ihren Kommentaren heraus zu lesen sind?
Manch einer schreckt nicht einmal davor zurück, einem unliebsamen Kommentatoren Prügel anzudrohen, weil ihm dessen kritisch-sachbezogener Beitrag nicht gefällt.
Autoren und Kommentatoren werden mit schier unglaublich diffamierenden Titeln verunglimpft, die von Selbstüberhebung und erschreckender Verachtung gegenüber Andersdenkenden, bzw. Handelnden zeugen.
Offenbar glaubt manch einer, er müsse jemanden diffamieren, wenn ihm dessen Meinung nicht gefällt!
Was soll damit bezweckt werden? Unliebsame Querulanten zum Schweigen zu bringen oder besser noch zu hoffen, dass sie gänzlich von der Plattform verschwinden?
Scheint tatsächlich hin und wieder zu funktionieren!
Offensichtlich fühlen bestimmte Menschen sich schon dadurch angegriffen oder mit ihrer Meinung in Frage gestellt, wenn ein Kritiker Widerspruch übt, mit seiner Sichtweise dagegen hält, seine Stimme gegen Diskriminierung erhebt, wo sie ihm ganz offensichtlich begegnet!
Warum fällt es so vielen so schwer, sachbezogen zu diskutieren, nachzufragen, statt zu urteilen?
Weshalb meinen Menschen, dass sich jedes Thema zum Persiflieren eignet, jede noch so platte Überschrift als "humorvoll" empfunden wird und jeder über alles lachen kann?
Warum gehen Menschen davon aus, dass allein ihre Sichtweise die "Richtige" ist?
Dass manche "Autoren" Texte veröffentlichen, obwohl sie wirklich nichts von allgemeinem Interesse mitzuteilen und lediglich Spaß am Nonsens haben oder nur unterhalten wollen, ist für mich noch hinnehmbar! Ich muss das weder lesen, noch kommentieren! Bestürzend finde ich jedoch die heftigen Reaktionen, wenn andere User das als "Geblödel" empfinden und dementsprechend kritisieren! Hat der Autor tatsächlich nicht damit gerechnet? Kaum vorstellbar!
Ja, wundern kann man sich an vielen Stellen täglich auf's Neue, wie unterschiedlich Menschen doch "ticken"! Da werden Fragen, Artikel, Texte, Gedichte bejubelt, deren Inhalt das in keiner Weise rechtfertigt und andere werden zerrissen, weil z.B. das Versmaß angeblich nicht perfekt ist, jedoch nur bei unliebsamen Autoren als mangelhaft eingestuft wird!
Interessant auch die Begegnung mit Literaturkritikern, Psychoanalytikern, Ärzten, Dozenten und Gutmenschen aller Couleur, die mit feinem Spott, deftigen Humor und wohlgesetzten Worten Ratschläge aller Art für alle Lebenslagen erteilen und das ganz uneigennützig und ohne erst lange darum gebeten werden zu müssen!
Wären da nicht auch noch all die "Normalos", die zufriedenen, gereiften und menschenfreundlichen Leute, man hätte gar nichts mehr zum Wundern!
So kann man sich täglich darauf freuen, eine Analyse seines Geschlechts, Charakters, Reifegrades, Lebens usw. zu erhalten, nebst zahlreichen wohlmeinenden Ratschlägen von Menschen, die bereits im Zustand der Erkenntnis und absoluten Wahrheit sind, während man selbst noch wie ein verirrtes Schaf in der Finsternis umherstolpert und über Disteln und Dornen strauchelt! Gott sei Dank gibt es da die wunderbaren Zeitgenossen, die versuchen, einen auf den richtigen Weg zu bringen!
Wundervoll!
Text: G. "Picasso"
Bild: privat
