Mutet es nicht wie ein kleines Wunder an, dass sich immer
mehr Menschen die „Kraft der Natur“ in einer Zeit, die geprägt ist von Computern, Fast food, Hektik und Stress, zu Nutze machen?
Stress im Job, Doppelbelastung durch Beruf und Familie, sogar in der Freizeit Hektik und Unruhe – das ist heute leider fast normal. Viele sind dem nervlich nicht mehr gewachsen. Die Folge: Schlafstörungen, Muskelverspannungen und depressive Verstimmungen nehmen zu. Schon jeder dritte Deutsche hat einen Reizmagen oder –darm, fast jeder zehnte Angstzustände begleitet von Herzrasen und Schwindel.

Die chemischen Mittel, die Abhilfe schaffen sollen, lösen oft starke Nebenwirkungen aus – meist Kreislaufprobleme - und machen abhängig. Es wundert also nicht, dass es immer mehr Menschen zurück zur Natur und ihren Mitteln ohne abschreckende Eventuell-Nebenwirkungen zieht.
Die Homöopathen, Bachblütentherapeuten und Kräuterlädele stehen daher hoch im Kurs. Man besinnt sich wieder auf das was die Natur uns schenkt.
Und hier sind die Möglichkeiten schier unerschöpflich. Studien belegen, dass sanfte Mittel oft verblüffend heilen können. Die Naturheilkunde boomt.

Während die einen auf Homöopathie schwören, bei der die Selbstheilungskräfte des kranken und gesunden Körpers geweckt werden, zählen andere auf die Blüten des Engländers Dr.Edward Bach. Das interessante an dieser Therapie ist, dass die Blüten über ihren Charakter heilen – so, wie sie auf Menschen wirken: traurig oder robust, ängstlich oder misstrauisch, grüblerisch.
Vor etwa sechzig Jahren fand Dr. Bach 38 archetypischen Blüten mit 38 archetypischen Seelenzuständen, die allein über ihren verwandten Charakter der Seele des Menschen beistehen, weil sie sie verstehen und damit umstimmen. Heilen durch trösten. Schon ein alter Indianerglaube sagt, dass der Geist der Pflanze heilt und nicht ihre Chemie.

Selbst fernöstliche Yoga-Techniken haben bei uns inzwischen einen festen Platz. Denkt man nur an Mudras, die neue Wellness-Bewegung, die übersetzt heißt: „das was Freude bringt“. Fingerübungen wandeln negative Stimmungen in positive um und helfen, mit sich selbst ins Reine zu kommen.

Auch die 5000 Jahre alte chinesische Heilmethode der Akkupressur kann Schmerzen durch Fingerdruck lindern oder abstellen und die Selbstheilungskräfte des Körpers anregen.

Die einfachste Art, die Kraft der Natur zu nutzen, ist jedoch die Anwendung selbst hergestellter Tees. Die entsprechenden Kräuter werden gesammelt, schonend getrocknet und bei Bedarf aufgebrüht. Schon im Mittelalter schätzte man Kräuter. Ohne von Vitaminen und anderen Gesundstoffen zu wissen, nutzten die Ordensleute die heilenden und reinigenden Kräfte aus dem klösterlichen Kräutergarten.
Inzwischen gibt es wohl auch heute kaum noch einen Garten, der in seinem Herzen kein Kräuterbeet trägt. Immer mehr finden auch in Vergessenheit geratene Pflänzchen den Weg in unsere Speisen. Doch auch ohne eigenen Garten muss nicht darauf verzichtet werden. Gänseblümchenblüten beleben jedes Butterbrot oder lassen sich zu einem beliebten Kindertee aufbrühen. Brennnessel kann mit einem Schuss Rahm wie Spinat verarbeitet werden. Aus dem Sud gekochter Löwenzahnblüten lässt sich mit Zucker und Zitronensaft ein prima Honig herstellen.
Fast mystisch wie ein Zaubertrunk mutet dagegen ein ausgehöhlter schwarzer Rettich an, dem einige Löffel Honig zugegeben wurden, um die Flüssigkeit des Rettichs in einen milden Hustensaft zu verwandeln.

Wussten Sie, dass ein Tee aus den Blüten des Heidekrauts bei Rheuma und Gicht sowie zur Schlafförderung verwendet werden kann? Oder die blaue Blütenpracht der Kornblume unserer Getreidefelder bei Verdauungsproblemen empfohlen wird?

Es entspannt die Sinne, sich auf die Pfade der Natur zu begeben, Ausschau zu halten nach ihren pflanzlichen Schätzen und sich seine eigene Kräuterapotheke zu schaffen.
Aber nicht nur der Kranke kann zum Sammler werden. Genauso finden verschiedene Pflanzen ihre Anwendung in der Naturkosmetik.
Mischen Sie sich einfach mal ihr eigenes anregendes oder entspannendes Massageöl. Dazu noch ein paar Kerzen, leise Musik und einen netten Menschen, der Sie massiert und schon zeigt sich die Kraft der Natur von einer ganz anderen Seite.

Empfehlenswert für Menschen mit Einschlafproblemen ist ein selbst hergestelltes Badeöl aus Rosen und Lavendel.
Eine duftende Haarspülung aus Rosmarin und Salbei pflegt ihr Haar ganz natürlich und verleiht einen seidigen Glanz.
Auf ganz andere Weise lassen sich Kräuter und Gewürze in Form eines Potpourris verwenden. Richtig ausgewählt verströmen sie hinreißende Aromen.

Neben den Kräutern sollten wir die Nahrungsmittel aus dem Supermarkt nicht ignorieren. So senkt der gute alte Apfel
den Cholesterinspiegel. Bananen sind gut gegen Stress, weil
sie die Nerven beruhigen und frische Ananas hilft bei zu
wenig Magensäure, verhindert Sodbrennen und Völlegefühl. Honig hilft bei schlecht heilenden Wunden, frische Petersilie bei schlechtem Atem und bei Schnupfen empfiehlt es sich, täglich sechs frische Kiwis zu essen, solange er anhält.
Melissentee statt Kopfschmerztablette, statt Schlafkapsel Zwiebelmilch trinken – das sind alte Hausmittel wie sie schon zu Großmutters Zeiten empfohlen wurden.

Es lohnt sich in jedem Fall, sich etwas intensiver mit der Wildkräuterküche und den damit verbundenen Heilmethoden zu beschäftigen. Ein Spaziergang an frischer Luft, begleitet von der Suche nach so manchem Kräutlein erfüllt dann gleich im doppelten Sinne das „zurück zur Natur“.