Zeit = Wert
Nur ich bin verantwortlich für meinen Umgang mit meiner Zeit
Ist uns etwas wichtig, geben wir ihm Bedeutung und Raum. Wir „verschaffen“ uns die Zeit, die etwas benötigt.
Doch wie verschafft man sich Zeit? Zeit ist nicht vermehrbar, Zeit ist eine Konstante. Sie vergeht oder schreitet voran, nach einem festen, immer gleichen System. Auch Schaltminuten und Schalttage sind letztendlich in einem wiederkehrenden Rhythmus Bestandteile dieses Systems.
Zeit vergeht. Unerbittlich, nicht anhaltbar und nicht wiederholbar. Egal, ob wir auf dieser Welt sind oder nicht.
Und jeder Mensch hat sein eigenes Budget an Lebenszeit und als Teil davon, als Arbeitszeit. Von beiden Budgets kennen wir nur den Startzeitpunkt. Denn niemand weiß, wie alt man wird. Selbst bei der Lebensarbeitszeit kennen wir inzwischen nur den Beginn. Denn definitiv vorbei sind die Zeiten, in denen jemand mit großer Gewissheit sagen konnte: „Wenn ich gesund bleibe, arbeite ich bis zum Rentenbeginn im 65. Lebensjahr“.
Zeit ist also wie ein Konto. Wir kennen den Takt der Abbuchungen in Gestalt von Sekunden, die sich zu Tagen und Jahren summieren. Doch wir kennen nie den aktuellen Kontostand! Und es gibt keinen Dispositionskredit.
Doch ohne zu wissen, wie viel noch verfügbar ist, setzen wir Prioritäten, wie viel Zeit man für was verbraucht. Teils fremd bestimmt, aber in einem nicht zu unterschätzenden Maß auch selbst bestimmt.
Und dabei spielen Eignungen, Neigungen und Vorlieben eine häufig unterschätzte oder geleugnete Rolle.
Wichtig oder Dringlich
Wer kennt es nicht. Nehmen wir mal an, es sei der 1. September. Der ungeliebte TÜV – Termin, der innerhalb der nächsten 2 Monate wahrgenommen werden muss, die lästige Gartenarbeit vor dem Einbruch des Winters oder die monatliche Statistik, die immer am „10. des neuen Monats“ beim Chef vorzuliegen hat.
Erledigungstermin: am vorletzten oder letztmöglichen Tag.
Und selbst für die Steuererklärung beantragt man noch schnell mit einem „Dreizeiler“ die mögliche Fristverlängerung beim Finanzamt.
Menschlich ist dieser Prozess der Prioritätensetzung verständlich. Es sind nervige und ungeliebte Tätigkeiten. Man weiß, dass sie notwendig und/oder unumgänglich sind. Man sie erledigen muss, - aber bitte nicht jetzt.
Und bei der rationalisierenden Suche nach einer Legitimation (auch vor sich selbst) wird man bei den bekannten Arbeits- und Zeitmanagement – Techniken auch schnell fündig. Denn den Tätigkeiten fehlt im Augenblick noch die Dringlichkeit. Na bitte, es ist also eine ganz rationale und sachliche Entscheidung. Das beruhigt innerlich.
Gleichwohl geschehen zeitgleich diese Tätigkeiten:
• Die noch druckfrischen Reisekataloge für die Wintersaison werden stundenlang für einen Ski – Urlaub Ende Februar „durchgearbeitet“.
• Man formuliert ein Rundschreiben an die Mitarbeiter und bittet um Restaurant- und Gestaltungsvorschläge für die Abteilungs- Weihnachtsfeier am 2. Dezember.
• Mit den Prospekten für die Anschaffung des neuen Autos (Lieferzeit 4-6 Wochen) im kommenden Frühjahr muss man sich schließlich auch mal im Detail beschäftigen.
• Für Anfang Oktober ist man auf einer Verbands-Tagung für eine 20-minütige Präsentation eingeladen. Also muss man schon mal rechtzeitig das Bildmaterial sichten.
• Ende November ist dann noch der Ball zum 100-jährigen Bestehen des Sportvereins. Und immer häufiger drängt einen die Frage: „Was ziehe ich an?“. Da trifft es sich gut für einen rechtzeitigen Einkauf, dass die neue Kollektion schon in den Geschäften ist.
Gestalten oder geschehen lassen
Geschehen diese Dinge zeitgleich, oder sind sie nicht (un)bewusst selbst entschiedenes Handeln. Nur nach gänzlich anderen Prioritätskriterien. Nicht die Dringlichkeit ist es, die uns treibt, diesmal ist es die subjektive Wichtigkeit. Durch das stillschweigende Verschieben der Entscheidungs-Kriterien zu der Frage: „Jetzt tun oder später tun“ wird die Sache in sich wieder stimmig.
Wert = Zeit; was uns wichtig ist, unseren individuellen Neigungen oder Vorlieben entspricht, dem geben wir Bedeutung und zeitlichen Raum. Das ist ein sehr menschliches Muster. Seinem Reiz zu erliegen, die permanente Verlockung. So weit so gut. Kritisch wird es aber, wenn man dieses Muster als Ursache für manche Konsequenzen nicht kennt oder leugnet. Dann wird man schnell zum „Opfer“ und sucht die Gründe meist in den „schlimmen Umständen“ unter denen man zu leben oder zu arbeiten hat.
Klagen oder Handeln
Ein Beispiel:
Frau Y arbeitet in einem Unternehmen, in dem vor 1 ½ Jahren wieder die 42 Stunden Woche bei fünf Arbeitstagen eingeführt wurde. Die Kernarbeitszeit beginnt um 9:00h und endet um 16:00h.
Schon immer hatte es für sie einen sehr großen Wert, morgens so lange als möglich schlafen zu können. Sie bezeichnet sich selber mit einem Augenzwinkern als „eher ein Nachtmensch“. Folgerichtig steht sie morgens zwischen 7:30 – bis 7:40h auf. Und erlebt es jeden Morgen mit einem Gefühl befreiender Dankbarkeit, wenn die Stempeluhr kurz nach dem Einführen ihrer Karte auf 9:00h umspringt.
Doch eine 42 Stunden Woche bedeutet inklusive Mittagspause neun Stunden Anwesenheit im Unternehmen. Jeder Feierabend vor 17:00h lässt das Minuskonto gnadenlos anwachsen. Und schließlich möchte „frau“ ja auch ein kleines Zeitpolster für unvorhergesehene Eventualitäten haben. So verlässt Frau Y ihren Arbeitsplatz selten vor 17:30h oder 18:00h, zuweilen sogar noch später.
Kleine Erledigungen (Tanken, Post, Leergut wegbringen, Arztbesuch, Friseur etc.), die notwendigen Einkäufe, - vor 19:00h schließt Frau Y selten ihre Haustür auf. Die Katzen müssen noch versorgt werden, sich selber etwas zu Essen machen und in der Waschmaschine wartet auch noch Wäsche auf die Leine. Es ist kurz vor 21:30h.
„Ich bin den ganzen Tag am „Machen und Tun“, aber vor halb zehn kann ich nie die Füße hochlegen“.
So erlebt sie es. Als in den widrigen Umständen begründeter täglicher Stress. Eine „Tretmühle“, der sie ohnmächtig ausgeliefert ist.
Doch halt! Ein zweiter Blick lohnt sich allemal.
Die auf 42 Wochenstunden ausgeweitete Arbeitszeit ist in der Tat eine von außen bestimmte Abbuchung auf dem eigenen Zeitkonto. Will oder muss sie diesen Arbeitsplatz in diesem Unternehmen behalten, sind 42 Stunden als absolute Größe nicht disponibel.
Gestaltbar ist aber, wann diese 42 Stunden geleistet werden. Wäre da nicht dieses wieder gültige Muster: „Wert = Zeit“. Solange der Wert, etwas länger schlafen zu können für Frau Y eine höhere Priorität hat, als ein früherer Feierabend und so mehr gestaltbarer Raum am Abend zu haben, wird alles so bleiben, wie es ist. Auch der subjektive und objektive Stress.
Und damit natürlich auch die Fragen an sich selbst:
* Wie groß ist meine Legitimation vor mir, über meinen Stress zu klagen?
* Was ist fremd- und was ist selbst verursacht?
* Wie wertvoll ist es für mich und für meinen Lebensrhythmus, etwas zu
ändern?
Wie auch immer die selbstreflektierenden und ehrlichen Antworten lauten mögen, ein kleiner Akt der psychischen Hygiene ist es allemal.
Zeit an sich ist unisono und ganz profan erstmal nur ein Takt, mit dem wir vielem im Leben eine Struktur geben.
Zeit ist aber auch ein kostbares Gut, weil wir nicht wissen, wie unser
(Zeit-)Kontostand ist.
Mit dem, was wir in der verfügbaren Zeit tun, bekommt sie einen ganz individuellen Wert. Das persönliche Unikat des Musters Zeit = Wert.
Rainer Nocht, Hannover
Doch wie verschafft man sich Zeit? Zeit ist nicht vermehrbar, Zeit ist eine Konstante. Sie vergeht oder schreitet voran, nach einem festen, immer gleichen System. Auch Schaltminuten und Schalttage sind letztendlich in einem wiederkehrenden Rhythmus Bestandteile dieses Systems.
Zeit vergeht. Unerbittlich, nicht anhaltbar und nicht wiederholbar. Egal, ob wir auf dieser Welt sind oder nicht.
Und jeder Mensch hat sein eigenes Budget an Lebenszeit und als Teil davon, als Arbeitszeit. Von beiden Budgets kennen wir nur den Startzeitpunkt. Denn niemand weiß, wie alt man wird. Selbst bei der Lebensarbeitszeit kennen wir inzwischen nur den Beginn. Denn definitiv vorbei sind die Zeiten, in denen jemand mit großer Gewissheit sagen konnte: „Wenn ich gesund bleibe, arbeite ich bis zum Rentenbeginn im 65. Lebensjahr“.
Zeit ist also wie ein Konto. Wir kennen den Takt der Abbuchungen in Gestalt von Sekunden, die sich zu Tagen und Jahren summieren. Doch wir kennen nie den aktuellen Kontostand! Und es gibt keinen Dispositionskredit.
Doch ohne zu wissen, wie viel noch verfügbar ist, setzen wir Prioritäten, wie viel Zeit man für was verbraucht. Teils fremd bestimmt, aber in einem nicht zu unterschätzenden Maß auch selbst bestimmt.
Und dabei spielen Eignungen, Neigungen und Vorlieben eine häufig unterschätzte oder geleugnete Rolle.
Wichtig oder Dringlich
Wer kennt es nicht. Nehmen wir mal an, es sei der 1. September. Der ungeliebte TÜV – Termin, der innerhalb der nächsten 2 Monate wahrgenommen werden muss, die lästige Gartenarbeit vor dem Einbruch des Winters oder die monatliche Statistik, die immer am „10. des neuen Monats“ beim Chef vorzuliegen hat.
Erledigungstermin: am vorletzten oder letztmöglichen Tag.
Und selbst für die Steuererklärung beantragt man noch schnell mit einem „Dreizeiler“ die mögliche Fristverlängerung beim Finanzamt.
Menschlich ist dieser Prozess der Prioritätensetzung verständlich. Es sind nervige und ungeliebte Tätigkeiten. Man weiß, dass sie notwendig und/oder unumgänglich sind. Man sie erledigen muss, - aber bitte nicht jetzt.
Und bei der rationalisierenden Suche nach einer Legitimation (auch vor sich selbst) wird man bei den bekannten Arbeits- und Zeitmanagement – Techniken auch schnell fündig. Denn den Tätigkeiten fehlt im Augenblick noch die Dringlichkeit. Na bitte, es ist also eine ganz rationale und sachliche Entscheidung. Das beruhigt innerlich.
Gleichwohl geschehen zeitgleich diese Tätigkeiten:
• Die noch druckfrischen Reisekataloge für die Wintersaison werden stundenlang für einen Ski – Urlaub Ende Februar „durchgearbeitet“.
• Man formuliert ein Rundschreiben an die Mitarbeiter und bittet um Restaurant- und Gestaltungsvorschläge für die Abteilungs- Weihnachtsfeier am 2. Dezember.
• Mit den Prospekten für die Anschaffung des neuen Autos (Lieferzeit 4-6 Wochen) im kommenden Frühjahr muss man sich schließlich auch mal im Detail beschäftigen.
• Für Anfang Oktober ist man auf einer Verbands-Tagung für eine 20-minütige Präsentation eingeladen. Also muss man schon mal rechtzeitig das Bildmaterial sichten.
• Ende November ist dann noch der Ball zum 100-jährigen Bestehen des Sportvereins. Und immer häufiger drängt einen die Frage: „Was ziehe ich an?“. Da trifft es sich gut für einen rechtzeitigen Einkauf, dass die neue Kollektion schon in den Geschäften ist.
Gestalten oder geschehen lassen
Geschehen diese Dinge zeitgleich, oder sind sie nicht (un)bewusst selbst entschiedenes Handeln. Nur nach gänzlich anderen Prioritätskriterien. Nicht die Dringlichkeit ist es, die uns treibt, diesmal ist es die subjektive Wichtigkeit. Durch das stillschweigende Verschieben der Entscheidungs-Kriterien zu der Frage: „Jetzt tun oder später tun“ wird die Sache in sich wieder stimmig.
Wert = Zeit; was uns wichtig ist, unseren individuellen Neigungen oder Vorlieben entspricht, dem geben wir Bedeutung und zeitlichen Raum. Das ist ein sehr menschliches Muster. Seinem Reiz zu erliegen, die permanente Verlockung. So weit so gut. Kritisch wird es aber, wenn man dieses Muster als Ursache für manche Konsequenzen nicht kennt oder leugnet. Dann wird man schnell zum „Opfer“ und sucht die Gründe meist in den „schlimmen Umständen“ unter denen man zu leben oder zu arbeiten hat.
Klagen oder Handeln
Ein Beispiel:
Frau Y arbeitet in einem Unternehmen, in dem vor 1 ½ Jahren wieder die 42 Stunden Woche bei fünf Arbeitstagen eingeführt wurde. Die Kernarbeitszeit beginnt um 9:00h und endet um 16:00h.
Schon immer hatte es für sie einen sehr großen Wert, morgens so lange als möglich schlafen zu können. Sie bezeichnet sich selber mit einem Augenzwinkern als „eher ein Nachtmensch“. Folgerichtig steht sie morgens zwischen 7:30 – bis 7:40h auf. Und erlebt es jeden Morgen mit einem Gefühl befreiender Dankbarkeit, wenn die Stempeluhr kurz nach dem Einführen ihrer Karte auf 9:00h umspringt.
Doch eine 42 Stunden Woche bedeutet inklusive Mittagspause neun Stunden Anwesenheit im Unternehmen. Jeder Feierabend vor 17:00h lässt das Minuskonto gnadenlos anwachsen. Und schließlich möchte „frau“ ja auch ein kleines Zeitpolster für unvorhergesehene Eventualitäten haben. So verlässt Frau Y ihren Arbeitsplatz selten vor 17:30h oder 18:00h, zuweilen sogar noch später.
Kleine Erledigungen (Tanken, Post, Leergut wegbringen, Arztbesuch, Friseur etc.), die notwendigen Einkäufe, - vor 19:00h schließt Frau Y selten ihre Haustür auf. Die Katzen müssen noch versorgt werden, sich selber etwas zu Essen machen und in der Waschmaschine wartet auch noch Wäsche auf die Leine. Es ist kurz vor 21:30h.
„Ich bin den ganzen Tag am „Machen und Tun“, aber vor halb zehn kann ich nie die Füße hochlegen“.
So erlebt sie es. Als in den widrigen Umständen begründeter täglicher Stress. Eine „Tretmühle“, der sie ohnmächtig ausgeliefert ist.
Doch halt! Ein zweiter Blick lohnt sich allemal.
Die auf 42 Wochenstunden ausgeweitete Arbeitszeit ist in der Tat eine von außen bestimmte Abbuchung auf dem eigenen Zeitkonto. Will oder muss sie diesen Arbeitsplatz in diesem Unternehmen behalten, sind 42 Stunden als absolute Größe nicht disponibel.
Gestaltbar ist aber, wann diese 42 Stunden geleistet werden. Wäre da nicht dieses wieder gültige Muster: „Wert = Zeit“. Solange der Wert, etwas länger schlafen zu können für Frau Y eine höhere Priorität hat, als ein früherer Feierabend und so mehr gestaltbarer Raum am Abend zu haben, wird alles so bleiben, wie es ist. Auch der subjektive und objektive Stress.
Und damit natürlich auch die Fragen an sich selbst:
* Wie groß ist meine Legitimation vor mir, über meinen Stress zu klagen?
* Was ist fremd- und was ist selbst verursacht?
* Wie wertvoll ist es für mich und für meinen Lebensrhythmus, etwas zu
ändern?
Wie auch immer die selbstreflektierenden und ehrlichen Antworten lauten mögen, ein kleiner Akt der psychischen Hygiene ist es allemal.
Zeit an sich ist unisono und ganz profan erstmal nur ein Takt, mit dem wir vielem im Leben eine Struktur geben.
Zeit ist aber auch ein kostbares Gut, weil wir nicht wissen, wie unser
(Zeit-)Kontostand ist.
Mit dem, was wir in der verfügbaren Zeit tun, bekommt sie einen ganz individuellen Wert. Das persönliche Unikat des Musters Zeit = Wert.
Rainer Nocht, Hannover
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