Da erinnerte ich mich, dass ich vor etwa 40 Jahren in der Schule einen Aufsatz darüber schreiben sollte, wie ich mir die Zukunft vorstellen würde.
Ich wuchs in der DDR auf, meine Eltern hatten beide ihre Arbeit, 2 meiner Schwestern gingen zur Schule, wie ich, und meine beiden kleineren Geschwister besuchten den Kindergarten.
Ja, was schwebte nun einem Kind wie mir damals so vor?
In meiner Phantasie entwickelte ich viele interessante Vorstellungen.
So waren Reisen zum Mond und zu anderen Planeten unseres Sonnensystems an der Tagesordnung, Juri Gagarin war ja schließlich auch ins Weltall geflogen und die Amerikaner sogar auf dem Mond gelandet.
Roboter, die fast aussahen wie wir, nahmen uns die schwere Arbeit ab.
Ich hatte eine nette Familie, in der sich alle wohl fühlten, (weil ich ja alles anders machen wollte, als meine Eltern… )
Wir lebten zusammen und unterstützten uns gegenseitig.
Es gab keine Kriege und alle hatten Arbeit, die ihnen Spaß machte.
Keiner musste hungern, egal, wo er lebte und welche Hautfarbe er hatte.
Probleme sah ich damals nicht.
Und heute?
Wie erlebe ich nun meine „Zukunft“?
Ich darf reisen, wohin ich will, wenn ich es mir leisten kann, nur zum Mond, das klappt noch nicht, es sei denn, ich habe das nötige Kleingeld von mehreren Millionen.
Ich kann alles kaufen, es gibt keine Versorgungsengpässe mehr.
Es gibt genügend Wohnungen, wenn ich sie bezahlen kann.
Hochspezialisierte Maschinen nehmen uns die körperlich schwere Arbeit ab.
Aber da ist auch die andere Seite:
Arbeitslosigkeit! Ich bin glücklicherweise davon verschont, aber auch Bekannte und Verwandte sind auf Arbeitsuche, leben zum Teil vom Existenzminimum.
Bildungsnotstand! Alles ist möglich, solange es kein Geld kostet. PISA lässt grüßen.
Emotionale Kälte und Gewalt! Immer öfter hört man von Kindern, die misshandelt, ja sogar getötet werden! Und niemand greift ein. Aber nicht nur Kinder erleiden oft Schmerzen, es trifft auch viele Erwachsene. Wie viele allein stehende Rentner haben keinen Menschen mehr, der sich um sie kümmern kann. Bei allen solchen Sachen steht immer wieder das Geld an erster Stelle. Behörden heben teilweise die Hände und zucken hilflos mit den Schultern.
Arm und Reich – die Kluft zwischen den Menschen wird immer größer. Immer mehr Rentner, die ihr Leben lang geschuftet haben, leben am Rande der Armutsgrenze. Auf der anderen Seite aber der Streit um Geld in Dimensionen, die ich als normaler Mensch gar nicht mehr fassen kann.
Kriege, die nicht unsere sind, aber unsere Kinder werden hineingezogen, siehe Afghanistan.
So sah ich damals meine Zukunft nicht.
Und nun? Soll ich jetzt resignieren?
Das kann ich wie auch viele andere nicht. Ich versuche, mich den Dingen zu stellen, indem ich nicht weg schau, wenn andere verlacht, ja sogar verprügelt werden, wenn mutwillig aus reiner Langeweile Dinge zerstört werden oder wenn ich merke, es braucht jemand Hilfe. Es ist nur ein Anfang. Aber es gibt so vieles, was man machen kann, man sollte nur darüber nachdenken und nicht dabei stehen bleiben.
Aber ob derjenige das mit den Gedanken zu unserer heutigen Zeit gemeint hatte?
Zukunftsvisionen einer damals Zehnjährigen aus heutiger Sicht
Vor ein paar Tagen sagte jemand zu mir, schreib doch mal auf, was Dir zu unserer heutigen Zeit so einfällt. Tja, was soll ich da schreiben, überlegte ich.
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