„Was erwartest du?“ schrieb ihr um 12 Jahre jüngerer Chatfreund, „du siehst ja ganz passabel aus, aber die Typen im Net wollen ficken, mehr nicht. Die schauen da nicht auf das Äußere oder interessieren sich für Deine Gefühle, alles was die wollen ist FICKEN. Dazu reicht ihnen alles, was willig ist …“
Das saß. Sie, die immer etwas an sich auszusetzen hatte, nie mit ihrer Figur zufrieden war, denn es hatte doch ihr Körper in all den Jahren gelitten. Da waren die Tafel Schokoladen auf den Hüften sichtbar, da hinterließen drei Kinder bei der jeweiligen Geburt Narben auf ihrer Haut, nichts war mehr so schön fest wie zu jugendlichen Zeiten …
Doch dann kam ER! Ein Highlight in ihrem Leben, nach einer gescheiterten Ehe … so sah sie es jedenfalls …Sie, die nie vorher etwas mit moderner Technik zu tun hatte, beschloss nach langem Trennungsschmerz nun im Internet nach einem neuen Mann Ausschau zu halten. Ihre Arbeitskolleginnen und auch verschiedene Ratgeber rieten ihr zu einer oder gleich mehrerer Singlebörsen. Sie gab sich ehrlich. Foto und Beschreibung gemäß ihrem Äußeren. Gut proportioniert …
Und … sie musste gar nicht lange warten: Da war ER! Ein Adonis von einem Mann, fünf Jahre jünger wie sie und charmant, dass sie sich fragte, warum sie all die Jahre mit so einem Kotzbrocken wie ihrem Mann verbracht hatte. Sie hatte doch wirklich etwas verpasst …Da sie nicht geübt war, ging sie etwas zögerlich auf diesen Kontakt ein. Aber er hatte schon nach dem ersten Chat ihr Herz gewonnen. Sie schwelgte, fühlte sich zehn Jahre jünger, lebte und blühte richtig auf …
Und dann kam das erste Treffen. Es war zwar ziemlich offensichtlich was er wollte, aber sie schämte sich etwas für ihr Äußeres. Doch auch diese Angst nahm er ihr, und für sie wurde es die Nacht der Nächte … Es hätte ja so ewig weiter gehen können, denn für sie stand fest: Das war der Mann ihres neuen Lebens …
Ich denke, jeder weiß, was jetzt kommt? Nach dieser Nacht ließ das Interesse des Mannes an ihr schlagartig nach. Es folgte kein Anruf und im Chat ignorierte er sie. Für sie aber gab es für sein Verhalten tausend Gründe, die alle nichts mit ihr zu tun hatten. Denn, er war ja schließlich ihr Traummann, und kein Mann kann in so einer Nacht so zärtlich sein, wenn er nicht genauso empfand wie sie selbst.Sie blieb also am Ball, schrieb ihm eine Mail nach der anderen und ab und zu, oh Wunder, kam auch eine Antwort. Kurz, bündig, dennoch nach wie vor mit Charme. Das reichte aus, sie weiter träumen zu lassen. Es folgten in längeren Abständen weitere drei Dates, und jedes Mal fühlte sie, dass er doch auch so empfinden müsse, wie sie …
Der Kampf zwischen diesen Dates, ihn zu Reaktionen zu bewegen, hinterließ Spuren an ihr. Die Schokolade, die sie anfänglich noch verschmähte, wurde zu ihrem besten Freund. Sie verbrachte Tag und Nacht vor ihrem Computer, verfolgte sein On-Sein, spürte mehr und mehr, dass sie nicht die Einzige war … aus den anfänglichen Liebesgefühlen entwickelten sich immer mehr Frust und Traurigkeit … Sie gab sich selbst für alles die Schuld … Sie war es eben selbst schuld, da sie ihm nicht seine Freiheit gab, die er bei ihr einforderte …
Aus einer Tafel Schokolade am Abend wurden vier … Anschließend der verzweifelte Versuch, sich die angegessenen Kilos wieder herunter zu hungern, was zur Launenhaftigkeit führte … Den Haushalt vernachlässigte sie, denn sie musste ja on sein, wollte verstehen, warum er sich immer mehr von ihr distanzierte, um sich dann plötzlich doch wieder an sie zu erinnern. Es ließ sie nicht mehr schlafen, auch für ihre Freunde hatte sie keine Zeit mehr, die Kinder ließ sie nicht mehr ins Haus, denn sie wollte nicht, dass jemand mitbekam, wie sie alles vernachlässigte, nur um von ihm die anfängliche Aufmerksamkeit wieder zu bekommen …
In dieser Verfassung lernte sie diesen jungen Mann im Chat kennen. Seine Worte waren wie eine Ohrfeige … Sie war also nichts anderes, als einfach nur ein Fick … mehr nicht …
Sie fasste sich ein Herz und konfrontierte IHN mit ihrer neuen Erkenntnis. Er verwarf jedoch ihre Ängste charmant und verabredete sich erneut mit ihr …Als sie nach dieser für sie wunderbaren Nacht morgens aufwachte, war er bereits weg. Ein Zettel klebte an der Türe: „Ja, Du reichst zum Ficken, was anderes wollte ich nicht. Das war doch klar, und jetzt lass mich in Ruhe …“
Muss so etwas sein? Können sich solche Männer nicht die dafür geeigneten Partnerinnen suchen, die auch nicht mehr wünschen, als sich sexuell auszutauschen?
Nein, das kann der SCHWARZE MANN nicht, denn dann würde er Kälte spüren. Gerade eine Frau, welche einen Partner SUCHT, und dies in Singlebörsen, ist das wahre Beuteschema für den SCHWARZEN MANN … Sie gibt ihm Bestätigung, sie macht aus ihm den Helden der Nation … Dabei ist das Äußere einer solchen Frau völlig egal, wichtig ist einzig ihre Abhängigkeit von ihm. Er ist sich ihrer sicher und sammelt so eine Anzahl von diesen Frauen, bleibt stets charmant, bis sie ihn nur noch nerven, spätestens dann hat er bereits weitere Opfer gefunden. Sollte eine solche Frau ihm zu nahe kommen, ändert er schnell seine Internetadresse, seine Handynummer ist sodann auch nicht mehr erreichbar, und er wechselt zur nächsten Singlebörse … Oder er verändert einfach nur sein Profil in der jeweiligen Singlebörse …
Was hinterlässt er? Frauen, die ein am Boden zerstörtes Selbstwertgefühl haben; Frauen, die nun an einer harmonischen Beziehung zweifeln … Für jeden normalen/GESUNDEN Mann, welcher auf so eine traumatisierte Frau trifft, wird eine Kontaktaufnahme zum Spießrutenlauf. Er läuft Gefahr, dass er nun Opfer einer solchen Frau wird, da sie in ihrem Trauma nicht mehr zu unterscheiden weiß, welcher Mann es nun wirklich ernst meint …
Und der SCHWARZE MANN? Er selbst hat ein gestörtes Selbstwertgefühl, ist beziehungsunfähig und allemal egoistisch …
Frauen, denen dies mehr als einmal passiert ist, leben zwischen der Sehnsucht nach befriedigten Gefühlen und Hass … Hass auf sich selbst, weil sie nicht lernen und immer wieder auf dieselbe Art von Mann treffen. Hass auf Männer, weil sie ihnen die Schuld für ihr trauriges Dasein geben …
Opfer sollte man, wenn überhaupt, NUR einmal sein … danach macht man sich selbst zum Täter …
Sarah
