Ich liebe zwei Länder, wie sie verschiedener nicht sein könnten. Das Klima, die Geschichte sind Dinge die sich in Spanien und Deutschland grundsätzlich voneinander unterscheiden. Aber! Eines haben beide Gegenden in denen ich aufgewachsen bin Gemeinsam. Es sind die Menschen, sowohl im Ruhrgebiet als auch in Andalusien ist ein Menschenschlag beheimatet, der ganz einfach liebenswert ist.
Nun, Deutschland kennen wir alle und so will ich lieber etwas von Granada erzählen.
Granada ist eine Stadt der Kontraste, ein wahrer Schmelztiegel der Kulturen. Bedingt durch die vielen Völker die ihre Spuren hier hinterlassen haben kann man nicht davon sprechen, dass sie eine typisch spanische Stadt ist. Es treffen hier Moderne und Antike zusammen, Orient auf Okzident, und das auf dem europäischen Festland. Hier leben wieder Christen und Moslems ohne nennenswerte Probleme zusammen in einem Viertel. Teehäuser stehen wie selbstverständlich neben Tapasbars. Es ist eine Stadt die brodelt. Nirgends habe ich auf so engem Raum so viele Motorroller Autos und Motorräder gesehen. Wer unvorbereitet nach Granada kommt mag vielleicht enttäuscht sein, weil er vielleicht meint eine verträumte andalusische Stadt zu besuchen. Zumindest im modernen Teil der Stadt wird der Besucher keine Ruhe finden. Granada lebt von der Dienstleistung und dem entsprechend hetzen Menschen durch die Straßen, die ca. 60.000 Studenten, die ein Großteil des Jahres dort leben tragen das ihrige dazu bei diesen überdimensionalen Sack voll Flöhe zu komplettieren. Aber es gibt sie, die Inseln der Ruhe, mitten in der Stadt. Häuser aus dem 17. Jhdt., die die maurische Tradition übernommen haben und hinter deren hohen Mauern Schatten spendende Innenhöfe der Trubel des Alltags, der Lärm ausgesperrt wird. Auch der Stadtteil Albayzin ist eine solche Insel. Hoch über dem neuen Teil Granadas meint man in einer völlig anderen Stadt zu sein. Die Zeit ist förmlich stehen geblieben, fast in der Zeit in der das Wahrzeichen der Stadt, die Alhambra noch von Sultanen bewohnt war.
Wer bis jetzt die Lektüre nicht vor lauter Langeweile aufgegeben hat, der wird sich fragen, was ich mit dem Artikel bezwecke. Nun, ich möchte dass all denjenigen, die noch nicht dort gewesen sind, es mal ins Auge fassen Granada einen Besuch abzustatten, und denjenigen die vielleicht einen kurzen Abstecher von der Küste aus dorthin gemacht haben, es noch einmal versuchen. Dann aber die Sinne zu öffnen, nicht nur schauen, sondern auch hören, ja und sogar riechen. Es fällt mir wahrlich schwer in Worte zu fassen, wie der Geruch morgens in einem der vielen Cafes ist, oder wie das Wasser in den hunderten von Springbrunnen in der Alhambra zusammen mit den Rosen, Nelken und Nadel und Obstbäumen riechen. Oder die Stimmung die einem überkommt, wenn man vom Albayzin aus in die rotglühenden Gipfel der Sierra Nevada blickt, und noch ein "oder", wenn man in eine der hunderte Tapasbars einkehrt. Versuche ein Kaleidoskop zu beschreiben, und Du wirst merken wie schwer es ist. Wer im Ruhrgebiet lebt, der wird so ein ähnliches Gefühl kennen, wenn er über die A42 die Silhouetten der Hochöfen vor eine feurigen, untergehenden Sonne sieht. Das muss man einfach selbst sehen.
Also, fahrt einmal nach Granada und lasst euch einfangen von all diesen Eindrücken.
Abschließend möchte ich sagen, dass ich bewusst auf Bilder verzichtet habe, sie hätten es doch nicht geschafft, das ´wieder zu geben, was mir mit Worten vielleicht nur minimal gelungen ist.
Also, Adios und Glückauf