Zwischenspiel
...muß eine 17jährige unbedingt sofort den Führerschein machen?...
Ich mache mich derweil für die Betriebsfeier fertig. Duschen, rasieren, daß volle Programm. Eben haben wir uns wieder einmal gestritten. Ich habe es satt, immer diese Streitereien wegen Geld oder der Kinder.
Heute laß ich mir die gute Laune nicht verderben - Betriebsfeier und außerdem wird die kleine aus dem Contolling da sein, ihre Blicke im Aufzug... ok, wahrscheinlich Hirngespinnste eines alternden Mannes, ich weiß. Tagträume oder so, aber man darf doch mal träumen...(ich lächle in den Spiegel)
Schnnell anziehen, ein Blick zur Kontrolle...so kann ich gehen. Du weißt immer genau was mir steht und ich weiß was ich an dir habe...weiß ich das wirklich?
"Tschüss Schatz" - keine Antwort...Du bist also immer noch beleidigt, schaust dir lieber eine TV-Schnulze an...in wiederaufkeimendem Unmut ziehe ich die Türe etwas heftiger ins Schloß als nötig...
>dann eben nicht< denke ich mir und mache mich auf den Weg.
Ein wenig prickelt es schon im Gedanken an Miss Controling, man weiß ja, bei Betriebsfesten kommt man sich leicht näher...
Ah, da drüben ist es ja, ich trete ein und sehe vor dem Saal die ersten Kollegen. 10Minuten später geht der offizielle Teil los: Ansprachen vom Chef und den Betriebsleitern. Jedesmal die selben Witze und Selbstbeweihräucherungen, bloß keine unangenehmen Wahrheiten.
Das Buffet und der Tanz sind eröffnet. Tanzen, ich war schon Jahre nicht mehr Tanzen. Früher, ja Früher mit Dir - egal - Smalltalk ist angesagt. Irgendwie stehe ich nach einer halben Stunde in einer Gruppe mit Miss Controlling - bin ich jetzt oder ist Sie oder ist es Zufall...?? Ich habe schon einiges von meinem Frust abgetrunken. Nein, betrunken bin ich nicht aber wieder gelöst.
"Tanzen?" "Gerne!" und schon habe ich Miss Controlling im Arm, sie heißt Veronica und ist 34, erst seit 6 Monaten im Hause. Veronica fühlt sich weich und anschmiegsam an, riecht gut, hört zu und stellt interessiert Fragen - schaut zu mir auf. Ich fühle mich plötzlich jünger, einfach gut. Irgendwie schmeichelt es mir... Wir tanzen sehr viel, trinken hin und wieder etwas zwischendurch - aber dezent.
Da bekommen zwei Kollegen (natürlich bereits angetrunken) einen lautstarken Streit, nichts Neues und eher abstoßend, die Stimmung kippt, ich will nach Hause und bestelle ein Taxi. "In welche Richtung fährst Du denn? Ich habe auch keine Lust mehr." - Veronica steht hinter mir. "Westliche Stadtteile" - "Prima, ich auch" und nennt mir Ihre Adresse. "Das liegt fast auf dem Weg, okay!" (Das ist gelogen, es ist ein ziemlicher Umweg, aber eine Freundlichkeit. Was ist schon dabei?)
Es regnet während wir auf das Taxi warten, beim Einsteigen bemerke ich im Licht der Innenbeleuchtung das Veronica aussieht wie eine nasse, streunende Katze - ungezähmt, wild, lebendig.
Es knistert zwischen uns - "kommst Du noch auf einen Drink mit hoch?" - "Sicher, gerne" Ich zahle das Taxi und wir gehen hoch in ihre Wohnung. Direkt hinter der Türe dreht sie sich um - Küsse...Berührungen - "...Bad" und schon entschlüpft sie meine Händen. "Mach uns doch in der Zwischenzeit einen Drink, geradeaus im Wohnzimmer steht alles"
Ich gehe automatisch weiter, mache zwei Drinks und schau mich um, immer noch etwas benebelt von dem gerade Erlebten - der ganzen Situation. Jacket ablegen, Krawatte lösen, hinsetzen - alles irgendwie unbewußt. "Hier" - ein Handtuch fliegt mir entgegen - "für die Haare" - trippelt Veronica mit nackten Füßen und Beinen ,in einem deutlich zu knappen Bademantel auf mich zu und setzt sich auf meinen Schoß, nimmt einen Schluck und schaut mir tief in die Augen - grüne Augen - fast so grün wie deine Augen, fast -
WAS bitte tue ich gerade hier?? Der Zauber ist gebrochen, ich suche nach Worten. Ich sitze hier halte eine tolle, fast nackte Frau in den Armen und suche nach Worten ihr zu sagen "Es geht nicht, ich kann das nicht!"
Veronica merkt sofort das sich etwas geändert hat "Deine Frau?!" es klingt mehr nach einer Feststellung denn nach einer Frage. Ich schaue sie an wie ein Schuljunge, verschämt und sprachlos. - "Dann geh!" - Wortlos stehe ich auf und geh, geh durch Regen, Schamgefühl und Schuldbewußtsein. Ich geh einfach so durch die Gegend, vorbei an Orten, die mir - die uns etwas bedeuten. Es dämmert bereits als ich vor der Haustüre stehe und feststelle, daß ich meinen Schlüssel habe liegenlassen - irgendwo. Schellen und warten bis das Licht angeht, Du machst mir die Türe auf und stehst vor mir, im Morgenmantel weiches warmes Licht hinter dir, nie bist Du mir schöner vorgekommen als gerade in diesem Augenblick. Ich stehe vollkommen aufgeweicht vor dir. (heiser) "Ich Liebe dich!" (sanft) "Ich weiß!" Du nimmst mich ganz sanft in deine Arme und ich bin froh das der Regen meine Tränen verwischt.
An diesem Morgen Lieben wir uns, sehr sanft, rücksichtsvoll und feinfühlig...bekanntes Terrain...alles so vertraut. Als du dich danach in meine Ame schmiegst kann ich nicht anders und erzähle dir alles und Du verstehst, wie du immer verstehst. Dann beugst du dich über mich und flüsterst mir leise ins Ohr "Ich, konnte es auch nicht" - dann schmiegst du dich wieder mit einem wohligen seufzer an mich und schläfst mit einem lächeln auf den Lippen ein.
Entsetzen, Angst, Eifersucht, Freude und Glück streiten in meiner Brust - und das Bewußtsein tiefer Verbundenheit, die ein Abenteuer nicht bieten kann. Ich liege noch einige Zeit wach, irgendwie satt und zufrieden - langsam - deine Nähe und Wärme aufnehmend, schlafe auch ich -zufrieden- ein...
Okt.09 ein "einfaches Schreiber lein"
