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  • Nationalstolz? Haben wir ein Identitätsproblem

    Hallo verehrte Platiner/innen.
    Gestern, nach dem Fußballspiel der Deutschen Nationalmannschaft gegen Polen, kam es wieder mal dazu, dass in Nationaltrikots gewandete Gestalten, scheinbar betrunken, auf der Straße standen und mit Roten und Gelben Karten bewaffnet die PKWs aufhielten, die mit den obligatorischen Flaggen unter infernalischem Lärm einen Autokorso veranstalteten.
    Warum? Wollten die nur spielen? Hat das was mit Nationalstolz zu tun?
    Ich frage ernsthaft und würde mich über enrsthafte Antworten freuen, da ich gerne dazulerne.
    Was ist das Besondere, ein Deutscher bzw. eine Deutsche zu sein? Muss man/frau darauf stolz sein? Auf was?
    Ist es nicht ein Zufall der Natur, dass man in einem bestimmten Land geboren wurde? Also was berechtigt den Einzelnen, stolz zu sein?
    Warum sind wir stolz auf die Nationalmannschaft? Sind das unsere Stellvertreter im täglichen Wettkampf um Anerkennung? Warum sind wir auf den Torschützen so stolz und nicht auf die Krankenschwester, die täglich Hilfe leistet? Oder auf den Polizisten, der sein Leben stets in die Waagschale legt um unsere "Rechtsstaatliche Ordnung" zu vertreten? Oder auf den Feuerwehrmann, oder auf die Alleinerziehenden, die Ihre Kinder unter teilweise extremen Bedingungen großziehen? Sind diese Leistungen weniger wert? Kann man auf solche Dinge nicht viel stolzer sein?
    Ich erlaube mir die Bemerkung, dass ich diese tumbe Masse, die unreflektiert Parolen grölt, arbeitende Menschen um den Schlaf bringt, definitiv als ekelhaft und primitiv bezeichne und nicht verstehe, warum so ein Zirkus veranstaltet wird. Aber wie gesagt, es geht hier wirklich um eine ernsthafte Frage, auf die hoffentlich auch ernst gemeinte Antworten eingehen.
    Ich begreife es bisher nämlich nicht.

Antworten

  • F. sonnenschein 09.06.2008, 21:32:24

    <--- findet einen autokorso ok, weil die deutsche nationalelf das spiel gewonnen hat. es nehmen 14 mannschaften aus 14 ländern an der em teil. und wohl die menschen jedes landes freuen sich, wenn ihre mannschaft ein spiel gewonnen hat, manche mehr, manche weniger laut!! also wollten die nicht nur spielen, nein, sich freuen war angesagt. ja, das hat was mit nationalstolz zu tun und sofern der nicht ausufert, finde ich das auch absolut ok.
    für mich ist es besonders, eine deutsche zu sein, weil ich in einem sehr schönen land lebe. mich fasziniert die vielfältigkeit von deutschland, wir haben seen, die ost- u die nordsee, hohe berge, wunderschöne täler, wälder, landschaften, die in ihrer natürlichkeit einfach nur traumhaft schön sind. und es gibt viele menschen, die diese landschaften und die bewohner darin schützen und pflegen.
    für mich ist auch die deutsche kultur etwas besonderes, mit all ihren facetten. ich bin stolz auf deutsche dichter, baumeister und komponisten, deren werke wohl auch in 100 jahren noch gelesen, gesehen und erlebt werden. ebenso bin ich stolz auf deutsche politiker, schauspieler, menschen aus dem volk, die gerade in der nachkriegszeit durch uneigennutz geholfen haben, viele menschen -nicht deutsche- zu retten. ich bin stolz auf deutschlands trümmerfrauen, die nach dem krieg unser land wieder mit aufgebaut haben. und -auch wenn es früher ziemlich oft genervt hat- bin ich stolz auf viele werte, die ich vermittelt bekommen habe, die außerhalb deutschland's als typisch "deutsch" manchmal belächelt werden, in mein leben haben sie gut hinein gepasst und mir bisher immer wieder geholfen, situationen zu durchleben und entscheidungen zu treffen, die mich mit meinem leben zufrieden sein lassen.
    ich bin auch stolz auf unsere deutsche sprache. sie ist für mich eine der sprachen, die zum einen sehr klar, sachlich und abgrenzend beschreibend ist, zum anderen einen riesigen wortschatz hat, mit dem gefühle und situationen emotional beschrieben werden können.
    doch, ich bin schon auch stolz darauf, dass es grundsätzlich nicht möglich ist, in deutschland zu verhungern, im gegensatz zu anderen ländern, in denen hungersnöte und kriege den alltag bestimmen. in diesem zusammenhang bin ich auch stolz auf unser land, das wir schon so viele jahre in frieden leben.
    alles andere ist meine entscheidung, wie ich mein leben gestalte und was ich dafür tue, dass es ein gutes leben wird. das alles kann ich selbst bestimmen. und allen unkenrufen zum trotz, es gibt in deutschland viele möglichkeiten, sich zu bilden, wissen zu erwerben und zu vermitteln. man muss es nur in anspruch nehmen, dazu gehört natürlich, dass kinder eltern haben, die ihnen diese möglichkeiten eröffnen und sie an die hand nehmen und ihnen zeigen, wo sie das wissen finden können.
    dass ich in deutschland geboren wurde, liegt an meinen eltern und ihren vorfahren, dass die natur hier irgendwann einmal ihre finger im spiel hatte, bleibt unbenommen. warum es so war, weiß ich nicht, aber ich denke, ok, für mich hat die natur das gut hin bekommen. ich lebe gern hier.
    jede nation hat ihre leichen im keller, deutschland auch. ich habe mich allerdings mittlerweile davon distanziert, mich ständig wegen fehlern der geschichte schlecht zu fühlen, ein schlechtes gewissen zu haben oder die augen nieder zu schlagen, wenn z.b. die rede auf den nationalsozialismus kommt. es ist nicht meine entscheidung gewesen und ich habe das nicht zu verantworten. ich kann mich selbstverständlich für diese zeit entschuldigen, aber mein gewissen ist damit nicht belastet, da ich es nicht zu verantworten habe.
    unsere nationalelf sind nicht die, die uns im alltäglichen leben vertreten, nein, sie vertreten uns in einem meisterschaftskampf als elf aus deutschland, als eine von 14 mannschaften aus 14 ländern! und das haben sie im ersten spiel gut gemacht, darauf bin ich stolz.
    alle berufsgruppen, die du nachfolgend genannt hast, haben es natürlich verdient, dass man auf sie stolz ist und wer sagt, dass man es nicht ist? sie verdienen für ihren bereich aufmerksamkeit und anerkennung, nur betrifft ihre arbeit nicht eine fussball-em. jede/r alleinerziehende/r hat meinen großen respekt (ich mach das selbst seit 17 jahren). ich denke. jeder mensch hat es verdient, das man stolz auf ihn ist, jeder lebt sein leben anders, der eine mehr, der andere weniger intensiv bemüht um sich und andere, verlässlich, herzlich, mitfühlend, aufopfernd und darauf bedacht, dass es seinem mittel- und unmittelbaren umfeld gut geht.
    also wenn so ein event wie die em oder die wm oder ein anderes sportfest ansteht, dann finde ich es absolut legitim, sich auch mal laut für die leistungen der vertreter des eigenen landes zu freuen und stolz darauf zu sein. wo bleibt denn sonst der ansporn für unsere elf, sich noch immer ein wenig mehr anzustrengen, wenn nicht auch die spieler merken, dass die fan's und all die menschen daheim hinter ihnen stehen? und dieses gefühl zu vermitteln, hinter der elf zu stehen, dass ist die leistung, die "das volk" seinen -fußball-vertretern zollt.

  • H. W-d 09.06.2008, 12:43:54

    ich bin stolz ein deutscher zu sein. ende aus. und die kommenden antworten jucken mich nicht im geringsten, so.

  • Ehemaliges Mitglied 09.06.2008, 12:38:56

    ....und Paul, das wird heut nicht leicht für Dich ;-))

  • Ehemaliges Mitglied 09.06.2008, 14:44:34

    Zitat:

    "Aber solche Dinge scheinen nicht in das Raster der meisten PN-ler hier zu passen. Schade eigentlich, aber reifer an Jahren zu sein, ist ja nicht zwangsläufig ein Indiz für Gelassenheit und Verständnis."

    Ich muss schon sagen, dein Anspruch auf eine ernsthafte Diskussion und deine Fähigkeit, diese auch zu führen lässt zu wünschen übrig.

    Bin damit raus hier.

  • Ehemaliges Mitglied 09.06.2008, 13:26:19

    bin stolz auf Deutschland!

    Nicht wegen der Fußball-/Sportergebnisse...
    NEIN, ich bin stolz auf Deutschland, weil wir die bestfunktionierende Demokratie (mit vielen Fehlern behaftet - es gibt nichts Perfektes) der Welt haben

    - oder nennt mir eine real existierende Staatsform, in der ihr lieber leben würdet