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Siedeln unter der Wolke
Siedeln unter der Wolke
Links weiß und rechts blau, und wie angeklebt,
in ruhigem Grau eine Wolke schwebt.
Darunter, sehr tief, auf der Erde im Gras,
da schmusen zwei Menschen und haben viel Spaß.
Nun messen die Beiden mit Schritt und mit Zoll,
wie groß denn ihr Häuschen wohl werden soll.
Sie stapeln, vertiefen, drehn hier, schrauben dort.
Sie mauern und pflanzen, als wär das ein Sport.
Die Ziegel aufs Dach und die Möbel ins Haus.
Er schaut, so wie sie, nach der Wolkenform aus.
Die Wolke indes steckt in himmlischem Blau,
auch luftig und hell, aber immer nur grau.
Im Haus wächst das Leben behutsam heran.
Der Wandel vom Paar zur Familie begann.
Erst kamen zwei Jungs, welche Zwillinge sind,
hernach noch ein Mädchen, ein herziges Kind.
Die Jahre vergehen mit wechselndem Schritt,
Gesundheit und Glück gehn verhaltener mit.
Im Haus tobt das Leben, es gibt kaum noch Ruh.
Hoch droben am Himmel – die Wolke schaut zu.
Die baumelnde Wolke ist niemals ganz weg.
Ihr Schatten ist kalt, und ein riesiger Fleck.
Nur selten kommt Sonnenlicht ganz unten an.
Bald geht es uns besser - man glaubt fest daran.
Ein Bub ist erwachsen, schafft sonst wo fürs Geld.
Bald geht auch das Mädchen. Sie jobbt um die Welt.
Die Kinder sind auswärts, die Herzen sind schwer.
Im Hause ist Platz, und zwei Zimmer sind leer.
Es wohnt der Student noch im Mama-Hotel.
Die Wolke indes rührt sich nicht von der Stell.
Sie hängt unbeirrt wie ein Dameklosschwert,
obwohl jeder ihr jeden Einfluss verwehrt.
Erst leidet das Glück, dann erkrankt der Humor.
Die Sonne wärmt selten, lugt kaum noch hervor.
Gebrechlicher Hausherr, sein Weg war das Ziel.
Ein Leben verlor dieses ungleiche Spiel.
Den Doktor gemacht, ging nach Norden der Sohn.
Erschöpft kämpft die Mutter um Heim, Baum, Fasson.
Das Haus wurde voll, wurde leer, wird sich fremd.
Nur Wolke und Schatten sind ganz ungehemmt!
siggi
Ehemaliges Mitglied | 12.01.2008, 21:06:50
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