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Geschwisterforschung Darwins (R)Evolution als Spät
Wieso konnte Charles Darwin die Wissenschaft revolutionieren - rein menschlich gesehen? Woher nahm er Mut, Kraft und Kreativität? Aus seiner Rolle als Spätgeborener, so ein Geschwisterforscher. Die "Gunst der späten Geburt" kann unser Leben entscheidend prägen.
Seine Geschwister heißen Marianne, Caroline, Susan, Erasmus und Emily. Charles Darwin ist erst acht Jahre alt, als seine Mutter stirbt. Sein Vater findet ihn als Kind "gewöhnlich, eher unterdurchschnittlich". Sein älterer Bruder Erasmus macht Chemie-Experimente im Geräteschuppen des elterlichen Mount House - diese inspirieren den jungen Darwin und legen den ersten Grundstein für eine wissenschaftliche Karriere, die weltweit neue Forschungsmaßstäbe setzt.
Die bahnbrechende (R)Evolution des Charles Darwin veranlasste den US-amerikanischen Wissenschaftshistoriker Frank J. Sulloway schon vor drei Jahrzehnten zu der Frage: Wieso ausgerechnet Darwin? Welche Persönlichkeitsstruktur ist nötig, um derart radikale Ansichten in die Welt zu bringen? Sulloway sichtet Briefe, Bücher und Lexika, um alles über Darwin, seine Befürworter und seine Gegner herauszufinden. Unter fast 200 Variablen hat er schnell ein Merkmal unter Verdacht: den Platz in der
Fünfter von sechs
Darwin war fünfter von sechs Kindern. Alfred Russel Wallace, der fast zeitgleich die identische Idee veröffentlicht, war ebenfalls fünftes Kind von sechs. Anders bei den erbitterten Darwin-Kritikern: Der Schweiz-Amerikaner Louis Agassiz war ebenso Erstgeborener wie Georges Cuvier, beide entschiedene Gegner der Evolutionstheorie.
Spätgeborene kreativer und rebellischer
Sulloways Theorie: Erstgeborene übernehmen häufiger die Wertvorstellungen der Eltern, verhalten sich also eher konservativ und dominieren die jüngeren Geschwister. Die Letztgeborenen wiederum suchen sich ihre Nische, sind häufiger experimentierfreudig, kreativ und auch rebellisch.
John Wayne versus Charlie Chaplin
Bildunterschrift: Erstgeborener mit Hang zum Dramatischen: Cowboy John Wayne
Der kalifornische Forscher untersucht eine Million biografische Daten von mehr als 6.500 Personen - darunter auch bekannte Persönlichkeiten: Als spätgeborene Wissenschafts-Revolutionäre macht er unter anderem Kopernikus, Albert Einstein und Sigmund Freud aus. 28 Mal will Sulloway diesen Spätgeborenen-Effekt unter berühmten Wissenschaftlern entdeckt haben. Aber auch andere prominente Biografien untersucht er und findet Übereinstimmungen. Bei Schauspielern zum Beispiel würden sich Erstgeborene eher auf dramatische Rollen festlegen, wie etwa John Wayne, Humphrey Bogart und Bruce Willis. Spätgeborene würden dagegen Komödien bevorzugen, was Sulloway bei Charlie Chaplin, Tom Hanks und Danny DeVito bestätigt sieht.
Entscheidet die Geschwisterkonstellation über den Lebensweg? Laut Frank Sulloway verteidigen Erstgeborene eher die traditionellen Konventionen, die Jüngsten dagegen sind kreativer und rebellischer. Hier ein paar prominente Beweise - und Gegenbeweise.
Evolutionstheorie auf Familie übertragen
Bildunterschrift: Laut Sulloway sind die jüngeren Geschwister oft rebellischer und kreativer.
"Im Alltag mag die Geburtenfolge nur einen moderaten Einfluss haben", meint Sulloway. "In historischen Momenten aber oder an Wendepunkten im Leben, da schlägt die eigene Rolle in der Familie total durch. Dann kann der Einfluss auf unser Leben sehr groß sein." Sulloway zufolge gibt es den Kampf ums Überleben nicht nur zwischen den Arten, er überträgt Darwins Theorie auf die menschliche Familie: In diesem Kampf um die elterliche Gunst gewinnen die Erstgeborenen mit Angepasstheit. Die Jüngeren dagegen entwickeln andere Strategien - öffnen sich für Neues, stellen elterliche Grundannahmen in Zweifel. Darwin war und ist für Sulloway - selbst ein Spätgeborener - stets das Musterbeispiel seiner Theorie.
Frank J. Sulloway
Frank J. Sulloway war Forschungsprofessor am Department of Brain and Cognitive Science des renommierten Massachusetts Institute of Technologie (MIT), derzeit lehrt er am Institute of Personality and Social Research in Berkeley/Kalifornien. Mit seinem Buch "Born to Rebell", erschienen 1997, löste Sulloway vielfältige Diskussionen aus. Sein Forschungsergebnis, demzufolge Geschwisterrivalität und Familiendynamik entscheidend für die Entwicklung einer Person sind, folgt Darwins Evolutionstheorie.S. ProfessorFreud | 24.01.2010, 17:34:12
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