Die Harzwanderung Neinstedt - Thale
Alle gemeldeten 12 Teilnehmer fanden sich im Zug zusammen. Das war eine logistische Meisterleistung der Einzelnen, die ja von so verschiedenen Berliner Bahnstationen losfuhren - und das auch noch sehr früh.
Wir fahren aus langjähriger Erfahrung immer recht früh, so haben wir den ganzen hellen Tag am Ausgangspunkt der Wanderung vor uns. Eine Bahnstation nach Quedlinburg, in Neinstedt, begann unsere Fußtour. Wir sahen, wie langsam die Nebelschwaden über den Wiesen und Gärten verschwanden, der herrliche Laubwald sich immer mehr in seinen bunten Farben präsentierte - das alles auch noch von der Sonne phantastisch angestrahlt. Auch einige "vergessene" Weihnachtsäpfel leuchteten noch rot von den Bäumen. Eine sehr lange Wanderstrecke hatten wir uns nicht vorgenommen - nur so um die 12 km. Man konnte sogar auf die nahen Höhenzüge schauen, durch die wir uns bewegen wollten. Klar war auch das Ziel der Tour auszumachen.
Hinter Stecklenberg wagten wir uns in die Höhe, hinauf zu den Resten der mittelalterlichen Burgen - heute nur noch Ruinen. Es war gar nicht so einfach auf das Plateau der Vorburg zu gelangen. Aber irgendwie wollte jeder hinauf und schaffte es auch. Die Herausforderung: man musste auch wieder zurück. Auch wurde irgendwie gepackt - Hände können auch zu Hilfsfüßen werden! Danach immer erneut Aufstiege, Abstiege, Felsen, Wasser auf der Tour. Vorbei am Glockenstein mit seiner Sage ging es Richtung Hexentanzplatz. Vorher noch Stopp an der großen Sommerrodelbahn. "Gerodelt" ist aber keiner aus der Gruppe über die 1000-m-Abfahrt. Alle wollten einfach schnell zum Hexentanzplatz. Die nächste Pause wartete dort. Den Blick auf herangekarte Touristen und die üblichen Trödelmarktstände gab es gratis. Nur mit dem von oben auf Thale erhofften Blick war kaum etwas. Dafür gab es die ersten Hallowenfans zu sehen. Wie eine schwebende Untertasse lag zeitweilig eine weiße Wolkenschicht zwischen Hexentanzplatz und gegenüberliegender Rosstrappe. Sie zog vom Ort Thale direkt in die Enge des Bodetals. Das Bodetal sah aus wie ein an den Ufern von Felsen eingerahmtes Meer - einfach märchenhaft. Oberhalb der Schicht gab es sogar eine gute Sicht bis zum fernen Brockenmassiv. Wir entschieden, durch dieses weiße Meer hindurchzusteigen - Abstieg durch den Hirschgrund - vom Harzklub vorgegebene Wanderzeit bis zum Wasser der Bode etwa eine Zeitstunde - dabei sah das alles von oben so nah aus. Der Abstieg wollte und wollte kein Ende nehmen, tiefer und tiefer stiegen wir durch die Wolkenschicht. Nach einer Stunde und zehn Minuten ständig abwärts waren wir unten. Mit der vom Hexentanzplatz ins Tal führenden Kabinenbahn hätten wir eine reine Fahrzeit von nur vier Minuten gehabt. Die Oberflächenbeschaffenheit des Abstiegspfads ließ im Hirschgrund das Wandern gerade noch zu. Wir hatten ja alle Wanderschuhe an den Füßen. Nur die Muskeln knurrten! Danach kam der geruhsame ebene Weg im Bodetal neben dem rauschenden Flüsschen. Die Sicht war unten wieder frei. Nur die Sonne hatte keine Chance durchzuleuchten. Die Gondeln der Kabinenbahn tauchten einfach kurz vor der Talstation aus dem Weiß auf.
Noch einen guten Abschiedskaffee in der Nähe des Bahnhofs Thale in der Zeit bis zum nächsten Zug.
Da war unsere "kurze Strecke" doch mit einigen Überraschungen gespickt. Jeder staunte über sich selbst, was Sie oder Er gemeistert hatte. Stolz an der richtigen Stelle. Und dazu ein Topp-Wetter!
Rückfahrt mit dem Harz-Elbe-Express zunächst nur bis Magdeburg - kurze Wartezeit - umsteigen in den RE1 nach Berlin. Durch die Umstiege in Magdeburg konnten wir das Schöne-Wochenende-Ticket nutzen. Das wäre mit der Direktverbindung des Harz-Elbe-Expresses Thale - Berlin bzw. Berlin - Thale nicht möglich gewesen. Zwei Bahnunternehmen haben da verschiedene Tarifbestimmungen. Der Einzelne muss sich preislich schon das Optimale heraussuchen.
Alle freuen sich schon auf die nächste Tour.