Überwintern in der Sonne
Endlich war es so weit: Platinnetz-Mitglied Elli trat, gemeinsam mit ihrer Tochter, die Langlauf-Reise nach Norwegen an. Letztes Jahr hatte sie sich für die Aufgabe bei Platinnetz beworben, Ende März ging es dann los. Das norwegische Fremdenverkehrsamt schickte sie auf die Reise - und wir können teilhaben: über den liebevoll geschriebenen Reisebericht ...
(25.03.2010) Unfassbar: Unsere Ski-Norwegenreise beginnt barfuß und im T-Shirt auf dem Sonnendeck der MS Color Fantasy. Strahlend blauer Himmel, über uns die Möwen, und eben an Land haben wir die ersten Hummeln und Schmetterlinge entdeckt. Schnee und Eis scheinen undenkbar!
Natürlich haben wir gleich Beweisfotos gemacht, die ein uneingeweihter Mensch eher auf Juni als auf März datieren würde ...
Die Passagiere um uns herum trinken den ersten Begrüßungssekt oder das (hoffentlich) erste Bier des Tages, während der Kampf um die Stühle an Deck schon vor der Abfahrt gefochten wurde. Wir blättern im Schiffsführer und haben uns noch nicht entschieden, in welcher der vielen Bars, Lounges und Bistros wir speisen wollen. Für einen kleinen Mittagssnack hält dann die Tapasbar her - lecker!
Wir lassen das Festland und den Alltag hinter uns und genießen die Überfahrt. Auf Deck ist es ziemlich windig und kalt geworden, weswegen wir durch die Geschäfte an Bord bummeln und uns über alberne Sonnenbrillen und Elchboxershorts amüsieren. Zum Abendessen beschließen wir, das große Buffet zu meiden, und entdecken dafür in der Pizzeria das leckerste Dessert der Welt - Schokoladentrüffel, die so reichhaltig sind, um uns für Wochen zu sättigen!
Bevor es abends in die Koje geht, statten wir dem Deck noch einen Besuch ab. Aufgrund des kühlen Windes sind alle anderen Passagiere im Inneren der Fähre geblieben und wir stehen allein an der Reling, über uns eine sternenklare Nacht und unter uns wirbelnde schwarze Wellen. Einfach toll!
(26.03.2010) Nach einer erholsamen ruhigen Nacht springen wir schon frühmorgens aus der Koje. Die Badezimmer an Bord sind klein, aber perfekt ausgestattet. Wir treffen früh zum Frühstücksbuffet ein und ergattern einen der begehrten Fensterplätze! Leider ist das Wetter vor Norwegens Küste heute eher wolkig und grau, aber wir lassen es uns dennoch nicht nehmen, an der frischen Luft die Schären zu bewundern.
Nachdem wir in Oslo angelegt haben, beschließen wir, noch einen kleinen Bummel durch die Stadt zu unternehmen, bevor wir uns auf den Weg zum Storefjell Resort Hotel machen.
Ein Parkplatz ist schnell gefunden und wir machen uns zu Fuß auf den Weg. Es ist leider immer noch grau bei 4°C, so dass sich uns Oslo nicht von seiner schönsten Seite präsentiert. Dennoch entgehen uns nicht einige besonders interessante Gebäude, die entweder schon sehr alt mit Fachwerk oder recht neu und architektonisch sehr interessant gestaltet sind.
Wir beschließen bald, dass es Zeit ist, die Stadt zu verlassen. Das gestaltet sich aufgrund einiger Großbaustellen etwas schwierig, aber der gute Henrik vom norwegischen Fremdenverkehrsamt hat uns eine ganz wundervolle Wegbeschreibung mitgeschickt.
Bald sind wir umgeben von Nadelwäldern und steilen Felswänden - so hatten wir uns Norwegen vorgestellt! Allerdings betrachten wir die schwindenden Schneereste mit Misstrauen - für das Skifahren scheinen die weißen Fleckchen kaum geeignet ...
Aber die Aussicht aus dem Auto heraus ist spektakulär, und nach jeder Kurve erwartet uns ein neues, tolles Bild. Nur je weiter wir ins Landesinnere kommen, umso feuchter wird es. Regen prasselt auf die Windschutzscheibe, und wir sehnen uns nach einem warmen Plätzchen im Hotel. Das Skifahren haben wir schon beinahe abgeschrieben und planen stattdessen kleine Wanderungen und ausgiebige Aufenthalte im Spa-Bereich des Storefjell Resorts.
Doch dann, nachdem wir Gol passiert haben und uns von der RV 51 Richtung Hotel wenden, plötzlich: Schnee en masse! Zwar ist es unglaublich bewölkt und die Sicht auf die Hänge versteckt, aber am Straßenrand türmt es sich weiß auf. Loipe, wir kommen!
Schließlich erreichen wir das Storefjell Resort. Das Einchecken verläuft problemlos, und zu unserem Entzücken stellen wir fest, dass uns zwei statt dem erwarteten einen Zimmer zugewiesen wurden. Diese nehmen wir mit unserem Gepäck auch gleich in Beschlag. Große Freude, hier gibt es dimmbare Leselampen am Bett. Das haben wir schon oft in Hotels vermisst und endlich gefunden!
Nach einer Verschnaufpause erkunden wir das Hotel - wo ist der Pool, der Speisesaal, die Terrasse?
Als besonders lohnenswert erweist sich die Erkundung des Speisesaals - das Abendbuffet ist einfach unglaublich. Wir arbeiten uns von der Salatbar über die Hauptspeisen zu dem reichhaltigen Dessertangebot vor und sehen uns schon auf dem Rückweg zehn Kilo schwerer von der Fähre rollen. Zu dem Essen gibt es einen perfekt temperierten Rotwein, der von "unserem " Kellner Matthis serviert wird.
Einen wunderbaren Moment der entspannten "Nach der Mahlzeit-Phase" genießen wir anschließend in einer der entzückenden Sofaecken in der Lobby. Der Wetterbericht verheißt auch für morgen nebeliges Wetter mit leichtem Regen, sodass wir vermuten, nicht zum Langlauf in die Loipe zu gehen. Wellness, Spa, Relax und eventuell eine kleine Wanderung auf dem Storefjell scheint uns eher angebracht.
Aber natürlich kommt es anders als wir denken ... Während wir noch lesend und plaudernd den Tag ausklingen lassen, taucht plötzlich einer der Hotelangestellten auf und fragt uns, ob wir "the guys from Germany" seien. Er stellt sich als Neil vor und verabredet sich mit uns für den nächsten Vormittag zur Einweisung in das Cross Country Skiing. Na dann!
(27.03.2010) Nach einer höchst entspannten Nachtruhe trinken wir den ersten Kaffee des Tages und testen das Frühstücksbuffet - für uns gibt es leckeres Knäckebrot, Salat, Rührei. Um die "heiße Ecke" mit Würstchen, Bratkartoffeln und Spiegelei machen wir eher einen Bogen, ebenso um den ominösen Braunkäse (Brunost), der für unseren Gaumen zu ungewohnt schmeckt …
Unser erster Tag auf Langlaufskiern stellt sich als (gelinde gesagt) desaströs heraus. Wir wissen nicht, was wir bloß falsch machen, aber wir schaffen es keine zwei Meter weit, ohne hinzufallen, die Skier zu verhaken oder die Stöcke zu verlieren. Der kleinste Hügel wird unüberwindbar, jede Kurve endet in einer ungeplanten Seitwärtsrolle. So hatten wir uns das nicht vorgestellt! Und dabei sieht es so einfach aus, wenn wir all die Kinder beobachten, die um uns herumstapfen, als wären sie mit Skiern auf die Welt gekommen.
Unsere Unfähigkeit, die uns ziemlich peinlich ist, beeindruckt auch unseren Guide: „Can I tell stories about you guys?“ fragt Neil mit großen Augen. Wir nehmen ihm das Versprechen ab, zu warten bis wir abgereist sind, bevor er verbreitet, dass wir die schlechtesten Anfänger sind, die das Hotel je gesehen hat …
Relativ schnell geben wir frustriert auf und probieren lieber etwas anderes aus: Schlitten fahren! Hier gibt es eine Bremse und ein Lenkrad, das entspricht wohl eher unserem Niveau an diesem Tag. Also verbringen wir den Nachmittag stattdessen damit, die Schlittenpiste hinunter zu brettern, was sich als herrlicher Spaß erweist. Abgerundet wird das ganze mit frischen Waffeln mit Himbeermarmelade, die Neil serviert- mmmh!
Obwohl es Samstagabend ist, schieben wir eine ruhige Kugel. Unsere mangelhafte Langlauftechnik rächt sich jetzt als Muskelkater, sodass wir lieber unseren Lieblingsplatz in der Lobby einnehmen und bei einem Glas Wein Pläne für den nächsten Tag schmieden.
Der Aufenthalt im Hotel erweist sich als sehr angenehm. Hier herrscht eine unglaublich freundliche und entspannte Atmosphäre und der Service ist unaufdringlich und tadellos. Trotz schmerzender Glieder fühlen wir uns sehr wohl.
(28. und 29.03.2010) Nach dem Reinfall gestern beschließen wir heute, die Landschaft ohne Skier zu erkunden. Nach dem Frühstück brechen wir mit dem Auto auf, um einige Kilometer weiter nördlich eine schöne Gegend zu finden, in der wir unsere Beine vertreten können. Wir befinden, dass eine Begegnung mit einem Elch an diesem Tag ziemlich toll wäre und wünschen uns dieselbe, doch der einzige Elch, den wir heute sehen sollen, ist eine lebensgroße Plastik vor einem Supermarkt am Wegesrand …
Aufgrund der zugeschneiten Wanderwege entscheiden wir uns, stattdessen eine wenig befahrene Straße hinaufzugehen. Und was für ein Genuss!
Blauer Himmel, strahlend warme Sonne, bewaldete Hügel, Stille und eine tolle klare Luft. Die Verheißung des Frühlings, ...
In uns wächst der Wunsch, im Sommer wieder zu kommen und Norwegen ohne Schneedecke zu erkunden. Im Winter ist das Land beeindruckend genug, aber wenn die Fjorde erst eisfrei sind, muss es hier sagenhaft sein! Wie vorausschauend vom Tourismusbüro, uns einen „Wandern Norwegen 2010“-Katalog zuzuschicken …
Zurück im Hotel probieren wir „endlich“ Pool und Sauna aus.
(30.03.2010) Wow, was für ein wundervoller letzter Tag! Beim Aufwachen grüßt uns ein strahlend blauer Himmel und Sonnenschein. Wir beschließen, nach dem Frühstück hinunter nach Gol zu fahren. Dort verbringen wir einige Zeit in der Glashütte und bewundern die dort ausgestellten Werke. Dann statten wir dem nahe gelegenen Antik-Laden einen Besuch ab und freuen uns über die alten Käsekästen, die wir dort finden. Schließlich besuchen wir noch die Stabkirche - was für tolle Schnitzereien an der Tür!
Als wir ins Hotel zurückkehren, sind wir unglaublich müde. Warum bloß? Wir schlafen diesen Urlaub eigentlich recht viel ...
Das Mittagessen verläuft recht kurz, denn gleich steht noch eine Verabredung mit Neil an, für die die Skikleidung angelegt werden will. Gesagt, getan. Ich bin fest entschlossen, den Skilanglauf zu meistern. So schwer kann das doch einfach nicht sein?!?
Ist es natürlich auch nicht. Was auch immer am Samstag schief gegangen ist, heute ist alles anders. Die Skier unter den Füßen fühlen sich nicht mehr fremd an, und ich laufe darauf, als würde ich es schon seit Jahren tun. Auch die Hügel und Kurven, die mir beim ersten Versuch noch solche Schwierigkeiten bereitet haben, meistere ich ohne Probleme. Und was sagt mein Skiguide dazu? "Wow you're a natural! You are really kicking my ass!"
Yeah! Können wir nicht noch ein paar Tage länger bleiben?
Als wir zurück im Hotel sind, schlage ich die Strecke nach und stelle fest, dass wir tatsächlich fast zehn Kilometer gefahren sind. Das macht mich als Skifrischling ziemlich stolz!
Haben Sie auch Lust auf Langlauf in Norwegen? Hier finden Sie weitere Informationen:
www.visitnorway.de
www.colorline.de