Er erlebt die Fertigstellung nicht mehr. Obwohl sich Ludwig II. niemals gewünscht hätte, dass die Öffentlichkeit Zutritt zu seinem Schloss erhält, wird es bereits wenige Wochen nach seinem Tod für Besucher geöffnet. Wegen seines einzigartigen Aussehens, manche würden es sicher als kitschig bezeichnen, ist das Schloss Neuschwanstein unter anderem Vorbild für die so genannten Dornröschenschlösser in den Disneyland Themenparks. Ein chinesischer Unternehmer möchte Neuschwanstein sogar eins zu eins in China nachbauen. Ein verwegener Plan, da der Unternehmer aber bereits ein französisches Schloss hat nachbilden lassen, wird er sicher auch dieses Vorhaben in die Tat umsetzen.

Schloss Neuschwanstein - Entstehungsgeschichte und ein Rundgang

Vor dem Bau des Schlosses gibt es an gleicher Stelle Reste einer Ruine, die abgerissen werden und 1869 erfolgt dann die Grundsteinlegung für das Schloss Neuschwanstein. Als Vorbild für das Schloss dient die Wartburg und unter dem märchenhaften Äußeren, das zum Teil aus Marmor besteht, stehen solide Backsteinmauern. Im Inneren befinden sich diverse, für die damalige Zeit äußerst moderne Einrichtungen, wie etwa eine Heizung und eine Warmwasseraufbereitung. Neben den imposanten großen Räumen, die Ludwig II. sehr am Herzen liegen, gibt es diverse ungewöhnliche Ideen, die fast jedem Raum Einzigartigkeit verleihen. Da der Besuch im Schloss Neuschwanstein nur mit einer Führung möglich ist und gerade in der Hauptreisezeit großer Andrang herrscht, sollte, wer es einrichten kann, einen Schlossbesuch möglichst in der Nebensaison planen. Alle Bilderzyklen im Schloss orientieren sich an den Opern von Richard Wagner, mit dem Ludwig II. befreundet war und den er über Jahre hinweg förderte.

Der Thronsaal ist sicher der beeindruckendste Raum: Er erstreckt sich über zwei Etagen, ist ausgestattet mit vier Meter hohen Kronleuchtern und hat als Vorbilder unter anderem byzantinische Kirchenräume. Dies spiegelt auch das Selbstverständnis Ludwig II. wider, der sich als ein König mit Gottes Segen und gleichzeitig auch als Bindeglied zwischen Gott und den Menschen sieht. Neben dem Thronsaal ist der Rittersaal ein weiteres Lieblingsprojekt des Königs, in welchem zwei Säle der Wartburg zu einem einzigen vereint werden. Ein großer Raum mit Szenen aus der Sage des Heiligen Grals und einer kleinen Tribüne, doch tatsächlich fanden hier nie Feste oder Konzerte statt. Der wohl ungewöhnlichste architektonische Einfall ist die Erbauung einer Grotte zwischen Arbeits- und Schlafzimmer. Diese wird von einem Bühnenbildner konstruiert, enthielt ursprünglich sogar einen Wasserfall und kann farbig beleuchtet werden. Da wundert es nicht, dass das Schloss Neuschwanstein das Image eines Märchenschlosses erhalten hat.

Tod im Starnberger See

Die Entstehung des Mythos von Schloss Neuschwanstein hat sicher auch mit seinem Erbauer Ludwig II. zu tun. Um sein Leben ranken sich zahlreiche Gerüchte und bis heute sind die Umstände seines Todes ungeklärt. Schon mit achtzehn Jahren besteigt der mit 1,93 Meter ungewöhnlich große König als Nachfolger seines Vaters den Thron. Im Alter von 22 Jahren löst er nach einem halben Jahr die Verlobung zu einer nahen Verwandten und wird auch in Zukunft nie heiraten. Manche Äußerungen in seinen Briefen lassen vermuten, dass er homosexuell ist, doch dies sind im Grunde nur Gerüchte. Im Laufe seines Lebens verschlingen vor allem seine Bauprojekte immer größere Geldsummen und sorgen für Unmut in seiner Regierung. Dies soll einer der Gründe für seine Entmündigung im Jahre 1886 gewesen sein, die zunächst ohne eine persönliche Untersuchung ausgesprochen wird. Schließlich wird Ludwig II. verhaftet und in das Schloss Berg am Starnberger See gebracht. In der Nacht des 13. Juni werden Ludwig II. und der Arzt Bernhard von Gudden tot im Starnberger See gefunden. Die Umstände, die zu einem zeitnahen Tod der beiden geführt haben, können nie geklärt werden. Gudden ist aber maßgeblich an dem Gutachten, das Ludwig II. entmündigt, beteiligt und manche Spuren deuten darauf hin, dass ein Kampf zwischen ihnen stattfand.

Das Schloss Neuschwanstein und seine malerische Umgebung

Wer wieder aufgetaucht ist aus der märchenhaften Welt Ludwigs II., sollte auf jeden Fall die Chance nutzen und das schöne Allgäu erkunden. Hier finden sich dank der letzten Eiszeit diverse Seen und umrahmt wird alles von den Allgäuer Alpen, die bis zu 2657 Meter hoch sind. Wer möchte, kann den Urlaub auch ganz sportlich nutzen: Im Winter laden die Berge zum Skifahren ein und im Sommer kann man an einem der zahlreichen Seen Wassersport betreiben. Und wer doch eher die Muße hat, wieder in die Geschichte einzutauchen, schaut sich die Reste einer Römerstraße und einiger römischer Gutshöfe inklusiver einer Siedlung am Tegelberg unweit des Schlosses Neuschwanstein an.

Autorin: Dorothee Ragg, Platinnetz-Redaktion

Datum: 17. September 2009