Landleben - der Traum vom eigenen Haus auf dem Land
Im Herbst halten mit Lebkuchen und Printen auch Berge von Vogelfutter Einzug in die Supermarkt-Regale. Viele Menschen haben in der kalten Jahreszeit das Bedürfnis, Wildvögel zu füttern, weil sie denken, dass Amsel und Meise Hunger leiden. Doch schadet man ihnen damit nicht?
Mit dem Winter beginnt für die Vögel, die nicht in den Süden ziehen, eine entbehrungsreiche Zeit. Ihre natürlichen Nahrungsquellen werden knapp und in den winterfest gemachten und aufgeräumten Gärten finden sie nur noch wenig Futter. Dabei verbrauchen sie jetzt sehr viel Energie, um in Frost und Schnee ihre Körpertemperatur aufrecht zu erhalten. Der NABU (Naturschutzbund Deutschland) hat in Labormessungen festgestellt, dass Meisen in einer einzigen kalten Nacht bis zu zehn Prozent ihres Körpergewichts verlieren. Dieser Verlust muss wieder ausgeglichen werden. Doch das bedeutet nicht automatisch, dass sie auf eine Fütterung durch den Menschen angewiesen sind.
Wichtig ist, dass man erst bei geschlossener Schneedecke und Dauerfrost mit der Fütterung beginnt. Die Hinweise auf den Futterpackungen, dass man bereits im September zur Eingewöhnung mit dem Füttern beginnen soll, sind nicht richtig und dienen lediglich dazu, die Verkaufszahlen zu erhöhen. Hat man erst einmal damit begonnen, muss die Fütterung konsequent und verlässlich bis zum Ende von Frost und Schnee durchgehalten werden. Achtung: Im Frühjahr sollten Sie auf keinen Fall weiter füttern denn dann beginnt die Brutzeit der Vögel. Meisen bleiben zur Fütterung ihrer Jungen gern bei den leicht erreichbaren Sonnenblumenkernen statt mühsam Insekten zu jagen. Die kleinen Vögel können die Samen aber nur schwer verdauen und sterben qualvoll.
Sauberkeit am Futterplatz ist sehr wichtig, um die Ausbreitung von Krankheiten zu verhindern. Am besten eignen sich daher Futterspender, in denen die Vögel nicht herumlaufen und das Futter mit Kot verschmutzen können. Ein Futterhäuschen muss regelmäßig mit klarem, heißem Wasser gereinigt werden. Aus hygienischen Gründen sollten Sie dazu Handschuhe tragen. Entsorgen Sie Futterreste, die von Schnee und Regen durchnässt worden sind. Nasses Futter verdirbt oder vereist. Sinnvoll ist es, täglich wenig Futter nachzulegen.
Das klassische Futterhäuschen ist zwar hübsch anzusehen, doch geschlossene Futterspender sind für die Winterfütterung wesentlich geeigneter. Im Innern des Spenders kann das Futter nicht nass werden und schimmeln. Der Futterspender sollte an einem sicheren Ort aufgehängt werden. Er braucht mindestens zwei Meter Abstand zur nächsten Glasscheibe, damit die Vögel nicht dagegen fliegen und sich verletzen können. Der Platz muss übersichtlich sein, damit sich keine Katzen anschleichen können.
Welches Futter eignet sich nun für welchen Vogel? Grundsätzlich ungeeignet ist Brot, da es im Magen des Vogels aufquillt und ihm Schmerzen bereitet. Ebenso unverträglich sind Speisereste, gesalzene Nüsse und geschwefelte Rosinen oder Trockenfrüchte. Verzichten Sie beim Füttern auch auf Müslis, da diese oft gezuckert sind.
Wenn Sie allen Vögeln etwas Gutes tun wollen, sind unterschiedliche Futtermischungen sinnvoll, denn nicht alle Vögel haben die gleichen Vorlieben. Grundsätzlich teilen sie sich in zwei Gruppen auf: Die Körnerfresser und die Weichfutterfresser. Körnerfresser sind beispielsweise Finken oder Sperlinge. Weichfutter bevorzugen Rotkehlchen, Amsel, Star, Zaunkönig und Heckenbraunelle. Unter den Weichfressern gibt es auch „Allesfresser“ wie Meisen, Spechte und Kleiber. Diese Vögel sind nicht wählerisch und nehmen neben Weichfutter auch gern Sonnenblumenkerne an.
Weichfutterfresser dagegen können mit derartig grobem Körnerfutter nichts anfangen. Sie brauchen Haferflocken, Kleie, ungeschwefelte Rosinen oder Obst. Bei frischem Obst müssen Sie allerdings darauf achten, dass es nicht gefriert. Besonders geeignet für Weichfresser sind Fett-Körner-Mischungen, die sie gern zerbröselt vom Boden aufnehmen. Das Schmalz ersetzt das tierische Fett, das die Vögel im Sommer über Insekten zu sich nehmen. Außerdem ist das Futter im Fett vor Nässe geschützt. Körnerfresser brauchen Sämereien wie Sonnenblumenkerne und Buchweizen.
Gegner der Fütterung argumentieren, dass durch die Fütterung viel mehr Vögel den Winter überstehen, als es bei natürlicher Auslese der Fall wäre. Durch die menschliche Unterstützung überleben auch schwache Vögel mit schlechten Erbanlagen und pflanzen sich fort. Seltene Vögel besuchen die Futterplätze dagegen nicht. Sie werden durch die natürliche Selektion dezimiert. So könnten die schwachen Vögel, die normalerweise durch natürliche Auslese den Winter nicht überstanden hätten, sich übermäßig vermehren und die ohnehin schon seltenen Artgenossen völlig verdrängen.
Eine maßvolle Winterfütterung mit dem richtigen Futter schadet den Vögeln grundsätzlich nicht. Gerade Kinder haben Spaß daran, die Vögel im Garten zu beobachten. Die richtige Fütterung ist für die Vögel eine Hilfe und ein Naturerlebnis für den Menschen.
Autorin: Elke Liermann, Platinnetz-Redaktion
Datum: 10. November 2009