Ganz so lange wie zu DDR Zeiten soll man auf sein neues Auto nicht warten müssen und auch Duroplast und Zweitaktmotor haben ausgedient. Stattdessen wird der neue Trabant mit einem Elektromotor ausgestattet und bekommt als Auto von heute eine moderne Kunststoff Karosserie.

Der Trabant nT -  ein Auto für die Zukunft

Begonnen hatte alles im Jahr 2007, als der Modellauto-Hersteller Herpa auf der Internationalen Automobil Ausstellung IAA eine Studie über die Neuauflage des Klassikers Trabant vorlegte. Ganz abwegig war die Idee nicht,  immerhin liegen Retro-Autos immer noch im Trend. Erst der New Beetle, dann folgte der Neue Mini, später eine neue Version des Fiat 500. Retro-Look gepaart mit moderner Technik verkauft sich offensichtlich gut. Der Trabant bedient zusätzlich den Geschmack all jener, die auf der Ostalgie-Welle schwimmen. Aus der Idee wurde also recht schnell ein Projekt mit Zukunft. IndiKar Individual Karosseriebau stieg als Partner ins Boot und der Automobildesigner Nils Poschwatta kündigte aus voller Überzeugung seinen Job bei VW, um sich ganz dem Design des neuen Trabi widmen zu können.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Deutlich ist seine Abstammung zu erkennen, doch trägt er auch eindeutig moderne Züge. Himmelblau mit weißem Dach, freundlichen Kulleraugen und einem lächelnden „Gesicht“ richtet sich das Auto anscheinend eher an eine weibliche Zielgruppe. War der Trabant früher durch seinen Zweitaktmotor eine lärmende, stinkende Umweltsünde, besteht sein Innenleben nun aus einem umweltschonenden, leisen Elektromotor mit 64 PS, der bis zu 130 km/h auf die Straße bringen soll. 160 Kilometer weit soll das Auto mit einer „Tankfüllung“ fahren können. Innerhalb von acht Stunden wird die 230 Volt Batterie dann wieder komplett aufgeladen sein. Umweltfreundlich und sparsam ist nicht nur der Antrieb des kleinen Wagens: Für Lüftung und andere Verbraucher trägt der neue Trabi nT ein Solardach, das ihn mit der nötigen Energie versorgt. Sein Revier soll die Stadt sein, ein idealer Kleinwagen nicht nur für Ostalgiker. Erschwinglich ist er noch dazu: Designer Nils Poschwatta spricht von einem Preis „deutlich unter 20.000 Euro.“

Ein Auto – ein Land

Auf die Welt gekommen ist der Trabi 1957 in Zwickau in Sachsen. Rund 3,7 Millionen Exemplare rollten bis 1991 im Sachsenringwerk vom Band. 34 Jahre lang änderte sich so gut wie nichts am einzigen Auto der DDR. Zwar rüstete man von 23 im Lauf der Jahre auf 26 PS auf, aber seinem Design blieb man treu. Dass es zeitlos war, zeigt auch die Neuauflage, die dem Vorgänger so verblüffend ähnlich sieht. Auch heute noch gibt es Trabi-Fans, die sich in Clubs organisiert haben. Beim letzten Trabantfahrer-Treffen in Zwickau versammelten sich außer einer Menge deutscher Fans auch Gäste aus Tschechien, Ungarn, Dänemark, den Niederlanden und Belgien. Das kultige Auto lockte sogar ein Fernsehteam aus Australien und Reporter aus New York. "Die Fangemeinde ist bunt gemischt“, erzählt Uta Pleißner vom Pressebüro des Festivals. "Der Trabi ist Kult - bei Jung und Alt.“ Zurzeit sind noch rund 50 000 Trabis beim Kraftfahrzeugbundesamt in Flensburg angemeldet. Da das Auto nicht mehr in seiner ursprünglichen Form gebaut wird, steigen die Preise für Ersatzteile in schwindelnde Höhen. Da ist es gut, dass es die Trabi-Treffen gibt: Auf den Tauschbörsen findet man fast alles, was das Herz des Trabi-Fans begehrt. Wie der neue Trabant nT bei den Trabi-Fans der ersten Stunde ankommt, bleibt abzuwarten. Auf dem Auto Markt hat er mit seinem charmanten Design und seiner Umweltverträglichkeit auf jeden Fall gute Chancen. 

Autorin: Elke Liermann, Platinnetz-Redaktion

Datum: 7. Dezember 2009