85 Prozent der Deutschen ernähren sich laut der Studie nicht so, wie sie es eigentlich gerne würden. Dabei sind nicht nur stressige Arbeitstage, die das Essen in den Hintergrund treten lassen, das Problem. In einer Überflussgesellschaft wie der unseren wird es immer schwerer für den Einzelnen, sich und seine Essgewohnheiten zu disziplinieren und zu kontrollieren. So wissen viele, dass eine gesunde Ernährung wichtig ist. Auch gibt jeder Zweite an, ausgewogene Ernährung sei für ihn ein wichtiger Bestandteil von hoher Lebensqualität. Woran liegt es also, dass so viele Deutsche dennoch nicht gesund genug essen? Und wie kann man im eigenen Alltag für eine ausgewogenere Ernährung sorgen?

Gesund zu essen braucht Disziplin

Auch wenn sich die meisten Deutschen gerne gesund ernähren möchten, unterliegen sie doch regelmäßig den vielen Versuchungen. Die am meisten genannten Gründe für "Ernährungs-Sünden" sind: zu wenig Obst und Gemüse, Heißhungerattacken, zu wenig Trinken, zu viel Süßes und zu viel fettiges Essen. Und diese Sünden haben ihre Folgen, denn 36 Prozent der 16- bis 79-jährigen sind mit ihrem Gewicht nur eingeschränkt oder gar nicht zufrieden. Dabei ist die Unzufriedenheit im Alter von 45 bis 59 Jahren am größten, während sie in späteren Jahren wieder abnimmt. Generell unzufrieden mit ihrem Gewicht sind eher die Frauen als die Männer. Parallel dazu sind es auch die Frauen, die sich mehr mit dem Thema Ernährung und Essen beschäftigen und auseinandersetzten. Ernährung und Kochen ist in Deutschland allgemein immer noch "Frauensache", zeigt die aktuelle Studie. So kochen nur 21 Prozent der Männer, jedoch 73 Prozent der Frauen im Haushalt.

Besonders schlecht ernähren sich deshalb auch gerade die männlichen Singles: Nur 20 Prozent der 20- bis 59-jährigen beschäftigen sich intensiver mit der eigenen Ernährung. Ist Mann also nicht in fürsorglichen Frauenhänden, ist es um seine Ernährung schlecht bestellt. Gesund zu essen bedeutet nämlich, sich über Essgewohnheiten, Lebensmittel und Zubereitung bewusst zu werden, Gedanken zu machen und vor allem auch, seine Ernährung zu planen. Und gerade die Planung fällt heutzutage vielen Menschen schwer, ist eine der Leitmaximen der modernen Gesellschaft doch Flexibilität. Der Mensch muss nahezu ständig beruflich wie privat flexibel sowie lokal unabhängig und mobil sein. Kommt dann noch die Koordinierung mehrerer Personen mit individuellen Tagesabläufen in einem Haushalt hinzu, wird die Organisation von eigentlich simplen Dingen, wie einem gemeinsamen Essen, immer schwieriger. Die Notwendigkeit zur Spontanität ist deshalb groß, was wiederum dazu führt, dass gut ein Drittel der Deutschen ständig oder zumindest teilweise einem unregelmäßigen Tagesablauf unterliegt. Unregelmäßige Essenszeiten sind die Folge. Es wird sich "zwischendurch" nur mal schnell ein Snack genehmigt, nicht viel Zeit darauf verwendet, sein Essen gleichmäßig über den Tag zu verteilen und unausgewogen gegessen. Berufstätige nehmen sich nur für ihr Abendessen Zeit. Doch auch hier schaffen es die meisten nicht, zeitsparende Zubereitung und ausgewogene Ernährung unter einen Hut zu bekommen.

Bewusst essen - auch im Alltag

Für die meisten Deutschen bedeutet eine bewusste Ernährung nicht nur gesundes Essen. Viel Wert wird auch auf die Qualität der verwendeten Produkte gelegt. So bevorzugen die Verbraucher etwa frische, saisonale Produkte aus der eigenen Region, naturbelassene Lebensmittel, die Vermeidung von gentechnologischen Verfahren und Produkte, die aus einer artgerechten Tierhaltung stammen.

Um eine gesunde Ernährung zu erleichtern, hat die Deutsche Gesellschaft für Ernährung zehn Regeln aufgestellt, die man im Alltag beachten sollte. Dazu gehört neben möglichst abwechslungsreicher Kost und viel Obst und Gemüse auch der Tipp, möglichst regelmäßig Getreideprodukte wie Brot, Nudeln, Reis, Getreideflocken (alles am besten aus Vollkorn) sowie Kartoffeln zu essen, denn sie enthalten kaum Fett, aber reichlich Vitamine, Mineralstoffe sowie Ballaststoffe und sekundäre Pflanzenstoffe. Doch auch tierische Lebensmittel sind wichtig, sollten allerdings maßvoll verzehrt werden. So ist es wichtig, täglich Milch und Milchprodukte zu sich nehmen und ein- bis zweimal in der Woche Fisch zu essen. Bei Fleisch und Wurstwaren ist Aufmerksamkeit ratsam, denn mehr als 300 bis 600 Gramm Fleisch und Wurst pro Woche sollten nicht gegessen werden. Bevorzugen sie außerdem generell fettarme Lebensmittel, vor allem bei Fleischerzeugnissen (Geflügel etwa ist viel fettärmer als Schweinefleisch) und Milchprodukten. Denn Fett sollte man hauptsächlich in Form pflanzlicher Fette zu sich nehmen und den Anteil tierischer Fette möglichst gering halten.

Die Deutschen sind bekannt dafür, ihr Essen viel stärker zu salzen als andere Nationen. Insgesamt salzt der Deutsche sein Essen doppelt so viel wie empfohlen, was zu Nierenproblemen und Bluthochdruck führen kann. Deshalb sollte man aktiv auf seinen Salzverbrauch achten. Gerade Knabbereien und Süßigkeiten, die zwischendurch genascht werden, müssen eingeschränkt und bewusst gegessen werden. Denn auch Zucker darf nur in Maßen Bestandteil der täglichen Ernährung sein. Leider nicht so beliebt wie diese kleinen Naschereien abends vorm Fernseher sind bei den Deutschen gesunde Getränke. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt rund 1,5 Liter Flüssigkeit am Tag zu trinken, am besten Wasser und kalorienarme Getränke. So sollte der Griff nicht nur abends, sondern auch den ganzen Tag über öfter mal zum bereit stehenden Wasserglas gehen als in die Chips- oder Bonbontüte. Es ist wichtig, auch im Büro während der Arbeit genug Flüssigkeit zu sich zu nehmen und nicht erst beim Abendessen mit dem Trinken anzufangen. Ist das Abendessen die warme Hauptmahlzeit des Tages, ist es außerdem besonders wichtig, es richtig zuzubereiten. Kocht man Gemüse, sollte man auch darauf achten, es möglichst schonend, also bei niedriger Temperatur, zu garen, damit die wichtigen Inhaltsstoffe erhalten bleiben.

Doch nicht nur das Essen selbst, auch die Lebensgewohnheiten spielen für die bewusste Ernährung eine Rolle. Sich Zeit für das Essen zu nehmen ist wichtig, auch wenn es im stressigen Alltag nicht immer einfach ist. Zeit für ausreichend Bewegung sollte genauso zum Tagesablauf gehören, wie die Zeit zum Kochen und Essen.

Die Studie hat gezeigt, dass die meisten Deutschen wissen, wie man sich gesund ernährt und auch, dass es wichtig ist, sich bewusst zu ernähren. Leider entspricht die Wirklichkeit nicht den Wünschen der Menschen. Hier spielt auch der innere Schweinehund eine große Rolle, den es zu überwinden gilt, wenn mal wieder eine Heißhungerattacke ansteht oder der Griff in die Chipstüte verlockend erscheint. Auch das "Sich-aufraffen" und sein Essen besser zu organisieren, sich Zeit für Einkäufe, Vorbereitungen und das Essen selbst zu nehmen, fällt schwer, ist aber wichtig!

Autorin: Anne Bartel, Platinnetz-Redaktion

Datum: 12. November 2009