Mit dem medizinischen Begriff Anosmie wird ein Zustand beschrieben, bei der Menschen unter einem völligen Fehlen der Geruchswahrnehmung zu leiden haben. Bei einer Anosmie handelt es sich aber nicht um eine Beeinträchtigung des Geruchssinnes, sondern um den kompletten Verlust dieser Sinneswahrnehmung. In der Medizin wird außerdem zwischen einer totalen und einer selektiven Anosmie unterschieden. Bei einer totalen Anosmie ist überhaupt keine Geruchswahrnehmung mehr vorhanden, so dass der Mensch gar nichts mehr riechen kann. Eine selektive Anosmie dagegen wird der Zustand genannt, bei dem nur bestimmte Gerüche nicht wahrgenommen werden können.

Anosmie und menschliche Geruchswahrnehmung

Im Allgemeinen ist der Mensch in der Lage 10.000 verschiedene Gerüche zu unterscheiden. Was vielleicht nach einer ganzen Menge klingt, ist allerdings verglichen mit manchen Tieren eher dürftig. Während die Sinneszellen beim Menschen nur etwa 400 unterschiedliche Rezeptoren zur Geruchswahrnehmung aufweisen, haben Hunde und Ratten über 1000 verschiedene. Der Geruchssinn steht dabei immer mit dem Geschmackssinn in enger Verbindung. So riecht der Mensch immer auch, während er schmeckt. Alle feineren Geschmacksabstufungen werden  mit der Nase aufgenommen. Bei einer Anosmie wird nur das geschmeckt, was die Zunge wahrnehmen kann, also salzig, süß, sauer und bitter. Feines Aroma dagegen kann nicht wahrgenommen werden. Aus diesem Grund ist eine Anosmie immer mit einer erheblichen Beeinträchtigung der Lebensqualität verbunden. Eine totale Anosmie wirkt sich in vielen Fällen auch auf den Appetit aus: Dadurch, dass Speisen nicht mehr über die Nase wahrgenommen werden können, ist auch das Hungergefühl anders strukturiert als bei anderen Menschen. Weitere negative Folge einer totalen Anosmie kann ein Ablassen des Sexualtriebs sein.

Die Ursachen für eine Anosmie

Die Erkrankung kann angeboren sein, kann aber auch im Lauf eines Lebens erworben werden. Der Schaden bei einer angeborenen Anosmie kann auf eine Schädigung der Riechzellen in der Nase zurückgehen, kann aber auch seinen Ursprung im menschlichen Gehirn haben. Ein Grund für das Entstehen einer Anosmie kann außerdem eine Kopfverletzung sein, bei der der Riechnerv im Gehirn geschädigt wird. In solchen Fällen bleibt oft die Geruchswahrnehmung ein Leben lang aus. Häufiger tritt aber eine Anosmie im Rahmen einer Infektionserkrankung auf und als Folge von Krankheiten wie Parkinson oder Alzheimer. Tatsächlich kann auch eine Grippe eine Anosmie auslösen, die nicht nach kurzer Zeit wieder von selbst verschwunden ist. In der Regel aber ist die Beeinträchtigung der Sinneswahrnehmung kein wirklich dauerhafter Zustand. Auch eine chronische Nebenhöhlenentzündung kann sich zu einer Anosmie entwickeln. Oft bildet sich eine Ansomie auch erst langsam heraus. Nach einer Erkältung riecht man erst immer weniger, am Ende schließlich gar nichts mehr. In wenigen Fällen bleibt die Anosmie über einen längeren Zeitraum bestehen.

Man sollte aber nicht außer Acht lassen, dass das Riechen ein Sinn ist, der trainierbar ist: Ganz ähnlich wie das Schmecken kann man auch lernen, mehr Gerüche zu unterscheiden. In den meisten Fällen einer Beeinträchtigung dieser Sinneswahrnehmung regeneriert sich das Geruchsvermögen allerdings wieder. Das liegt daran, dass sich das Riechepithel im Nasendach ständig erneuert. Eine dauerhafte Anosmie   ist damit immer noch eine sehr seltene Krankheit. Ab einem Alter von etwa 55 Jahren erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, sich eine Riechstörung zuzuziehen. Das hat seinen Grund auch darin, dass die erwähnten Erkrankungen von Alzheimer und Parkinson in diesem Altersabschnitt häufiger auftreten. Oft werden bei einer Anosmie alternative Heilmittel angeordnet, weil die Schulmedizin keine Möglichkeit der Heilung dieser Erkrankung anbieten kann. Jeder, der im Rahmen einer Erkältung eine Tage lang eine völlig verstopfte Nase hatte, wird eine Ahnung davon bekommen haben, wie entscheidend die Geruchswahrnehmung für unser Leben ist. Wer nach einer Erkältung unter einer vorübergehenden Riechstörung zu leiden hat, muss aber nicht gleich eine dauerhafte Anosmie befürchten.

Autor: Edgar Naporra, Platinnetz-Redaktion