Man vermutet, dass in den westlichen Industrienationen fast die Hälfte der Menschen über 50 Jahren von einer chronischen Gastritis betroffen ist. Viele der Betroffenen sind jedoch vollkommen beschwerdefrei, daher wird die Entzündung oft nur zufällig entdeckt. Die Magenschleimhaut, die sich bei einer Gastritis entzündet, kleidet den Magen an der Innenseite aus und schützt die tiefer liegenden Schichten der Magenwand vor dem aggressiven Magensaft. Der Magensaft wird wiederum von bestimmten Zellen der Magenschleimhaut produziert. Die Entzündungen betreffen entweder den gesamten Magen oder nur einzelne Abschnitte.

Akute und chronische Gastritis

Eine akute Gastritis kann mehrere Ursachen haben: Zum einen kann das Konsumieren von Substanzen wie Alkohol oder Nikotin, die die Magenschleimhaut reizen, zu einer akuten Gastritis führen. Auch einige Medikamente sind dafür bekannt, die Magenschleimhaut anzugreifen und eine Entzündung hervorzurufen. Dazu gehören Schmerzmittel aus der Gruppe der nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR) wie zum Beispiel die Acetylsalicylsäure (ASS). Auch durch massive Stress- und Schocksituationen wie schwere Verletzungen oder große Operationen kann es zu einer akuten Gastritis kommen.

Bei der chronischen Gastritis unterscheidet man zwischen drei Hauptformen. Die Typ-A-Gastritis gehört zu den sogenannten Autoimmunerkrankungen und wird daher auch Autoimmungastritis genannt. Dabei bildet das Immunsystem fälschlicherweise Abwehrsubstanzen gegen die Drüsen- bzw. Belegzellen der Magenschleimhaut, die den Magensaft produzieren. Häufig finden sich auch Antikörper gegen den Intrinsic-Factor, der ebenfalls von den Belegzellen produziert wird. Der Intrinsic-Factor wird für die Aufnahme von Vitamin B12 benötigt, weshalb bei Betroffenen ein Vitamin-B12-Mangel auftreten kann, der häufig zu einer Störung der Blutbildung führt oder sich durch neurologische Symptome äußern kann. Diese Form der Gastritis ist allerdings selten und tritt nur in fünf Prozent der Erkrankungsfälle auf.

Die häufigste Form von chronischer Gastritis ist die Typ-B-Gastritis, mit einem Anteil von über 80 Prozent. Sie wird durch das Bakterium Helicobacter pylori verursacht, das von Mensch zu Mensch durch die Aufnahme von mit Kot kontaminierten Lebensmitteln übertragen wird. Man spricht hierbei von einer fäkal-oralen Übertragung, zu der es auch durch die Aufnahme von verunreinigtem Trinkwasser kommen kann. Das Bakterium besiedelt zunächst das sogenannte Antrum, den unteren Abschnitt vor dem Magenpförtner. Von dort können sich die Bakterien nach und nach ausbreiten und schließlich eine Entzündung der Schleimhaut im gesamten Magenbereich herbeiführen. In einem solchen Fall spricht man auch von einer Pangastritis.

Nicht alle Menschen, die Helicobacter pylori in sich tragen, müssen zwangsläufig an einer Gastritis erkranken. Im Falle einer Erkrankung kann die Infektion allerdings zu schweren Folgeerkrankungen wie einem Magengeschwür oder Magenkrebs führen.

Die Typ-C-Gastritis oder chemisch-toxische Gastritis wird durch Substanzen verursacht, die die Magenschleimhaut schädigen. Dazu gehören auch Bestandteile der Gallenflüssigkeit, wenn diese aus dem Zwölffingerdarm in den Magen zurückfließt. Die häufigste Ursache ist allerdings die dauerhafte Einnahme von nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR). Daneben können auch andere magenreizende Medikamente sowie übermäßiger Alkoholkonsum zu einer chemisch-toxischen Gastritis führen. Allerdings macht diese Form nur zehn Prozent aller chronischen Magenschleimhautentzündungen aus.

Abgesehen von diesen drei Haupttypen werden weitere seltene Formen beschrieben, wie beispielsweise die Typ-D-Gastritis, die alle Sonderformen zusammenfast. Hierzu gehört auch die Morbus-Crohn-Gastritis.

Symptome, Diagnose und Behandlung einer Gastritis

Die Symptome einer akuten Gastritis treten in Form von plötzlichen Beschwerden ein und stehen in engem zeitlichem Zusammenhang mit dem Auslöser. Dieser Auslöser kann zum Beispiel ein übermäßiger Alkoholkonsum am Vorabend sein. Die Gastritis äußert sich dann durch ein Druckgefühl und starke Schmerzen im Oberbauch, Übelkeit, Appetitlosigkeit, Aufstoßen und einen unangenehmen Geschmack im Mund. Diese Beschwerden werden häufig nach dem Essen besser, treten aber schnell wieder auf.

Eine chronische Gastritis entwickelt sich dagegen langsam und verursacht bei vielen Betroffenen keine Beschwerden. Die Symptome sind oft unspezifisch und können auch andere Ursachen haben. Dazu gehören Völlegefühl, Übelkeit, Appetitlosigkeit, eine Abneigung gegen bestimmte Nahrungsmittel, Schmerzen im Oberbauch, Druckgefühl, Blähungen und Durchfall.

Um Gastritis zweifelsfrei feststellen zu können, muss eine Magenspiegelung vorgenommen werden, durch die der Arzt auch Gewebeproben entnehmen kann. Die Therapie richtet sich anschließend nach den Ursachen. Bei einer durch NSAR-Einnahme bedingten Typ-C-Gastritis wird beispielsweise versucht, auf nicht-steroidale Antirheumatika zu verzichten oder sie durch andere Schmerzmittel zu ersetzen. Bei der Typ-B-Gastritis wird die Eradikationstherapie angewandt, bei der die Patienten über einen gewissen Zeitraum eine Kombination aus zwei verschiedenen Antibiotika und einem Protonenpumpenhemmer einnehmen. In mehr als 90 Prozent der Fälle lässt sich damit die Infektion mit Helicobacter pylori beseitigen. Eine erfolgreiche Therapie kann einige Wochen später durch eine Magenspiegelung oder einen Atemtest festgestellt werden.

Die Ursache einer Gastritis vom Typ A lässt sich nicht behandeln. Anstelle dessen wird dem krankheitsbedingten Mangel an Vitamin B12 mit ausreichender Versorgung dieses Vitamins entgegengewirkt. Je nach Schweregrad der Entzündung erhalten die Patienten meist Medikamente wie Protonenpumpenhemmer, um die Magensäureproduktion zu reduzieren.

Generell gilt bei jeder Form von Gastritis alles zu meiden, was die Magenschleimhaut reizt. Dazu gehört das Rauchen und ein übermäßiger Alkoholkonsum sowie sehr scharfes oder heißes Essen. Stressbedingte Magenschleimhautentzündungen können durch Entspannungstechniken gelindert bzw. beseitigt werden.

Autor: Marcel Exner, Platinnetz-Redaktion