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Von Neurodermitis hat wohl jeder schon etwas gehört. Die multifaktorielle Erkrankung äußert sich auf sehr unterschiedliche Weise. Aber wie sieht das Krankheitsbild genau aus? Was kann man gegen diese Hautkrankheit unternehmen? Und wie verbreitet ist die Krankheit?
Bei Neurodermitis handelt es sich um eine chronische, nicht ansteckende Hautkrankheit. Sowohl genetische Ursachen wie auch Umwelteinflüsse, Stress und Allergen-Belastung im Haushalt durch Hausstaubmilben und Tierhaare werden heute als Hauptfaktoren für die Krankheit gesehen. Daher gilt Neurodermitis auch als multifaktorielle Krankheit: Vielfältige Faktoren spielen beim Entstehen und bei der Intensität der Neurodermitis eine Rolle. Während Neurodermitis eigentlich eine Jugend- und Kinderkrankheit ist – 12% bis 20% aller Säuglinge und Kinder sind betroffen - tritt Neurodermitis auch im Erwachsenenalter auf, dies mit steigender Tendenz. Zwar ist die Häufigkeit deutlich geringer, aber immerhin 63% aller jungen Erwachsenen übertragen die Krankheit aus ihrer Jugend. Neue Erkenntnisse zeigen, dass die erblichen Faktoren, insb. bei Neurodermitikern im Erwachsenenalter an Bedeutung verlieren, während die Berufswahl und die damit einhergehende Allergen- und Stressbelastung eine immer größere Bedeutung für die Krankheit einnimmt.
Während die Verbreitung der Neurodermitis im Kindheitsalter auf bis zu 20% eingeschätzt wird, beträgt die Krankheitshäufigkeit (Prävalenz) der Neurodermitis bei Erwachsenen im Durchschnitt lediglich 1-3%. Allerdings ist der Anteil der Jugendlichen, der die Neurodermitis bis ins junge Erwachsenenalter überträgt, auch Persistenzquote genannt, mit 63% relativ hoch. Und nur 8% aller erwachsenen Neurodermitispatienten erkranken erst im Erwachsenenalter, ohne dass Neurodermitis-Symptome im Kindheitsalter aufgetreten sind.
Neurodermitis-Symptome bei Erwachsenen sind sehr ähnlich im Vergleich zu den Symptomen im Kindheitsalter. Sie zeichnen sich durch trockene Haut, Juckreizschübe sowie eine hohe Sensibilisierung gegen bestimmte Allergene aus, vor allem gegen Pollen, Nüssen, Kuhmilch, Soja, Weizenmehl und Fisch. Dazu kommen Unverträglichkeiten mit Konservierungsstoffen, Aromen und Farbstoffen sowie Chemikalien, die auch in der Kleidung vorkommen können. Viele Neurodermitiker leiden zudem unter Heuschnupfen und Bronchitis.
Als wesentliche Auslöser oder Schubfaktoren werden in Studien folgende Gründe genannt:
Interessanterweise gibt es bei den Auslösern durchaus Unterschiede zwischen Mann und Frau. Während der Auslöser Stress und psychische Belastung für beide hohe Relevanz hat, steht bei Männer der Faktor Hitze und Schwitzen und bei Frauen der Faktor Ernährung als zweitwichtigster Faktor im Vordergrund.
Die Berufswahl und die damit verbundene Aussetzung der Haut mit bestimmten Substanzen gewinnt laut einer aktueller Studie der LMU München an Bedeutung für erwachsene Neurodermitker. So können z.B. Bäckermehl oder Desinfektionsmittel die Symptome der Krankeit deutlich verschlechtern. Zu den Hochrisikoberufen, so die Studie, werden Jobs in der Bäckerei, als Reinigungskraft oder in der Krankenpflege gezählt. „Die Exposition in solchen Berufen wirkt sich selbst dann negativ aus, wenn sie nur vorübergehend oder für kurze Zeit besteht“, betont eine LMU Forscherin. Aber nicht nur die Belastung mit Allergenen, sondern auch psychischer Druck und Stress im Berufsleben kann die Neurodermitis deutlich verschlechtern.
„Prediction of incidence, recurrence and persistence of atopic dermatitis in adolescence: a prospective cohort study“, Astrid S. Peters et.al., Journal of Allergy and Clinical Immunology online, Vol. 126, Issue 3, Pages 590-595.e3
„Atopisches Ekzem im Erwachsenenalter“, Hautarzt (2008)