Ab dem Alter von 35 Jahren sollte eigentlich jeder Mensch zu bestimmten Krankheiten Maßnahmen der Vorsorge treffen. Gerade mit steigendem Lebensalter sind manche medizinischen Checkups sinnig. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Nierenerkrankungen können durch die richtige Vorsorge rechtzeitig bemerkt und behandelt werden. Außerdem sollte man alle zwei Jahre eine Untersuchung zur Hautkrebsfüherkennung durchführen lassen. Eine Brustuntersuchung bei Frauen sollte ab dem 30. Lebensjahr jährlich durchgeführt werden, denn schließlich ist Brustkrebs ein großes Problem und die häufigste Krebsart, an der Frauen erkranken. Bei Männern ist eine Prostatauntersuchung ab dem 45 Lebensjahr einmal pro Jahr angeraten. Ab dem 50. Lebensjahr sollte eine jährliche Stuhluntersuchung zur Darmkrebsfrüherkennung durchgeführt werden. Eine Darmspiegelung wird erst ab dem 55 Lebensjahr angeraten. Auch das Hautkrebs-Screening hat sich mittlerweile in Deutschland fest etabliert.

Die Liste der Untersuchungen zur Vorsorge ist kaum zu überblicken

Es existiert also eine stattliche Liste mit Untersuchungen, von denen man eine ganze Menge auch noch jährlich durchführen soll. Aber kann man das überhaupt? Dabei gibt es so viele mögliche Krankheiten, dass man einen vollen Kalender haben würde, wenn man wirklich jede Vorsorge treffen wollte. Selbst Mediziner äußern immer wieder, dass nicht alle Präventivuntersuchungen wirklich notwendig oder nützlich sind. In manchen Fällen können solche zweifellos gutgemeinten Maßnahmen zur Vorsorge auch schädlich sein. Gerade bei Prostatauntersuchungen wurden immer wieder Menschen fälschlicherweise positiv auf Krebs getestet, was unnötige Behandlungen zur Folge haben kann – die dann wiederum zu einer Beeinträchtigung der Gesundheit führen können.

Was Fehldiagnosen und falsche Befunde angeht, ist vor allem die Methode der Mammographie zur Brustkrebsvorsorge bei Frauen in den letzten Jahren immer wieder heftig kritisiert worden. So gibt es mittlerweile eine ganze Menge Mediziner, die es nicht für sinnig halten, an einem Brustkrebsscreening zur Vorsorge teilzunehmen. In der Bevölkerung allerdings hat die Untersuchungen zur Vorsorge von Brustkrebs ein enorm positives Echo – das allerdings kaum den wirklichen Zahlen entspricht. In der Regel wird angenommen, dass von tausend Frauen etwa 60 Prozent dem Krebstod entgehen, wenn sie eine solche Vorsorge treffen. In Wirklichkeit aber ist die Untersuchung nur für eine von tausend Frauen wirklich hilfreich. Die Gründe für eine solch auffallende Fehleinschätzung liegen auch in einer falschen Aufklärung durch die Ärzte. Denn die sind natürlich daran interessiert, ihre Praxen so voll wie möglich zu halten.

Am meisten Werbung wird allerdings für eine andere Vorsorge gemacht: Die Darmkrebs-Früherkennung ist besonders präsent in unseren Medien. Zwar ist der Nutzen einer solchen Untersuchung unbestritten, aber man sollte gleichzeitig nicht vergessen, dass Ärzte auch an dieser Form der Vorsorge Geld verdienen und dadurch ein Interesse daran haben. Besonders umstritten ist auch das Screening zur Vorsorge von Prostatakrebs. Der Nutzen von Untersuchungen zur Früherkennung dieser sehr aggressiven und in den meisten Fällen tödlichen Krebsart wurde in den letzten Jahren immer heftiger kritisiert. Es existieren sowohl Studien, die diese Form der Vorsorge für nützlich erklären, andere allerdings kommen zu dem Ergebnis, dass ein solcher Checkup keinen Sinn macht.

Ein entscheidender Punkt, der gegen Untersuchungen zur Vorsorge generell gerichtet ist, liegt darin, dass viele Tumore nur sehr langsam wachsen und in vielen Fällen zu Lebzeiten von Betroffen überhaupt keine Beeinträchtigung erzeugen. Abgesehen davon ist es in Zeiten von Zweiklassenmedizin und der Tatsache, dass der Patient als Kunde immer mehr Leistungen selbst bezahlen muss, zunehmend auch eine Frage des Geldes! Die Ratgeber widersprechen sich dabei teilweise deutlich: Auf der einen Seite heißt es, man solle auf jeden Fall die Vorsorgemöglichkeiten ausnutzen, andererseits ist dann immer wieder zu lesen, dass viele Untersuchungen zur medizinischen Vorsorge übertrieben seien und eigentlich keine Berechtigung haben. Aber ebenso schizophren wie das aktuelle deutsche Gesundheitssystem sind auch die Ratgeber heutzutage. Man muss also eigenes Engagement zeigen und selbst abwägen, welche Untersuchung zur Vorsorge für den jeweiligen Körper am sinnvollsten ist.

Es ist auf jeden Fall nützlicher für die eigene Gesundheit, eine gesunde Lebensweise zu verfolgen als ständig eine Vorsorgeuntersuchung nach der anderen durchzuführen. Dennoch sind die meisten Untersuchungen zur Vorsorge in der Tat wichtig und können das Leben verlängern. Werden bestimmte Risikofaktoren berücksichtigt, ist eine Untersuchung zur Vorsorge besonders wichtig: Bei Krebs in der Familie zum Beispiel ist auf jeden Fall eine erhöhte Aufmerksamkeit geboten.

Autor: Edgar Naporra, Platinnetz-Redaktion
Datum: 8. Oktober 2010