Industrielle Naturkosmetik

Die Industrie hat den Trend Naturkosmetik für sich entdeckt und ist auf den Zug aufgesprungen. Im Drogeriemarkt gibt es mittlerweile Unmengen an vermeintlichen Ökoprodukten. Das Problem: Die Hersteller sind nicht gezwungen, die Inhaltsstoffe ihrer Pflegeprodukte auf den Verpackungen anzugeben. Sind Sie auf der Suche nach einem Naturprodukt, sollten Sie also lieber zu einer Packung greifen, auf der die Inhaltsstoffe aufgelistet sind. Sind nur natürliche Substanzen enthalten, dürfen Zusätze wie Propylenglykol (PG), Polyethylenglykol (PEG), Mineralöle, Parabene und synthetische Duftstoffe nicht zu den Inhaltsstoffen gehören. Ein Zeichen für ein echtes Naturprodukt ist das Fehlen von Konservierungsstoffen.

Pflegeprodukte selbst herstellen

Wenn Sie sich Ihre Naturkosmetik selbst mischen wollen, müssen Sie darauf achten, dass die Zutaten nicht chemisch behandelt sind. Kaufen Sie also die entsprechenden Kräuter oder Früchte nicht im Supermarkt, sondern ziehen Sie sie im eigenen Kräutergarten oder auf Ihrer Fensterbank. Sie erhalten mittlerweile auch nahezu alle Zutaten aus Ökoanbau in Apotheken oder Reformhäusern.

Salbei beugt nicht nur Entzündungen vor, sondern verengt auch erweiterte Poren. Er sorgt für ein ebenmäßigeres und strafferes Hautbild. Unreine und fettige Haut lässt sich zum Beispiel mit einem Salbei-Dampfbad bekämpfen. Überbrühen Sie wenige Salbeiblätter mit kochendem Wasser. Der aufsteigende Dampf tut Ihrer Gesichtshaut gut und wirkt vollkommen natürlich auf das Hautbild.

Apfel wirkt festigend auf das Gewebe. Wenn Sie unter trockener, schlaffer und strapazierter Haut leiden, kann eine selbstgemachte Apfelpackung Wunder wirken. Reiben Sie einen Apfel und mischen Sie die Masse mit einem Teelöffel Honig. Lassen Sie die Gesichtsmaske eine halbe Stunde lang einwirken, bevor Sie sie mit lauwarmen Wasser abwaschen. Sie werden die erfrischende Wirkung nicht nur spüren, sondern auch sehen.

Thymian hilft bei fettigem Haar und Schuppen. Überbrühen Sie einen Teelöffel Thymian mit einer Tasse Wasser, seihen Sie die Flüssigkeit ab und lassen Sie sie abkühlen. Das Einmassieren der Flüssigkeit auf der Kopfhaut pflegt Ihr Haar und vertreibt Schuppen.

Zitrone ist sehr vielseitig und hilft bei den unterschiedlichsten Problemen. Gelbe Zähne zum Beispiel werden wieder weiß, wenn sie mit der weißen Innenseite der Zitronenschale abgerieben werden. Eine wohltuende Erfrischung für Geist und Körper bietet ein Zitronenbad. Schneiden Sie etwa ein halbes Kilo Zitronen in Scheiben und gießen Sie diese mit kochendem Wasser auf. Nach zwei bis drei Stunden geben Sie das Zitronenwasser in Ihr Badewasser - ein idealer Muntermacher.

Zwiebel hilft gegen Haarausfall. Stellen Sie sich Ihr eigenes Haarwasser her, indem Sie eine Zwiebel hacken, sie mit Alkohol (fünf Prozent) übergießen und das Ganze etwa einen Monat lang stehen lassen. Den Alkohol erhalten Sie in der Apotheke. Massieren Sie jeden Tag Ihre Kopfhaut mit dem Haarwasser und der Haarausfall wird abnehmen.

Tee: Schönheit von innen

Dass man sich nicht nur bei äußerlichen Anwendungen mit Naturprodukten pflegen kann, wissen wir seit Menschengedenken. In vielen alten Kulturen ist Tee als Mittel zur Stärkung der Gesundheit, als Wohlfühlgetränk und als Schönheits-Elixier bekannt. In China gibt es sechs klassische Teesorten. Eine von ihnen ist der weiße Tee, der als die edelste und koffeinärmste Sorte der Welt gilt. Er hat einen ungewöhnlich hohen Anteil an Polyphenolen, die entzündungshemmend und krebsvorbeugend wirken, sowie den Alterungsprozess verlangsamen. Weißer Tee ist außerdem bekannt dafür, dass er das Immunsystem stärkt, Bluthochdruck senkt, beruhigend wirkt und die Konzentrationsfähigkeit fördert.

Auch die Japaner haben eine lange Tee-Tradition. Die japanischen Geishas schworen auf Gesichtsmasken aus grünem Tee, der auch als Getränk ein wahrer Jungbrunnen ist. Seine Inhaltsstoffe wirken gegen freie Radikale und erhalten die Jugend der Zellen. Die Vitamine und Mineralien im grünen Tee sorgen für ein ebenmäßiges Hautbild: Vitamin C sorgt für straffe Haut, Zink für einen feinen Teint und Karotin für eine gesunde Gesichtsfarbe. Er enthält wie der weiße Tee auch die gesunden Polyphenole, wenn auch nicht in vergleichbar hoher Konzentration.

Nachteile der Naturkosmetik

Wenn Sie sich Ihre Pflegeprodukte nicht selbst herstellen wollen, gibt es auch bei industriell hergestellten, reinen Naturprodukten einiges zu beachten. Der Nachteil von Naturkosmetik gegenüber normalen Kosmetikprodukten ist, dass ihre Herstellung teurer und somit der Preis für den Konsumenten höher ist. Synthetisch im Labor hergestellte Stoffe sind leichter, in größerer Menge und mit weniger Aufwand zu erlangen als ihre Vorbilder aus der Natur. Deshalb werden Sie für ein echtes Ökoprodukt immer tiefer in die Tasche langen müssen. Kaufen Sie sich ein natürliches Pflegeprodukt, müssen Sie beachten, dass dieses ein Haltbarkeitsdatum hat. Da in der Naturkosmetik auf Konservierungsstoffe verzichtet wird, können die Produkte regelrecht schlecht werden. Aus diesem Grund sollten Sie bei der Anwendung auf ein paar Dinge achten: Greifen Sie stets nur mit wirklich sauberen Fingern in den Cremetopf oder benutzen Sie lieber einen Spachtel oder Creme aus der Tube. Ein Naturprodukt ohne Konservierungsstoffe ist nämlich viel anfälliger für eine bakterielle Verunreinigung. Benutzen Sie deshalb Naturkosmetik nicht mehr, sobald das Haltbarkeitsdatum überschritten ist.

Ein weit verbreiteter Irrglaube ist zudem, dass Naturkosmetik im Gegensatz zu chemischen Pflegeprodukten besser verträglich ist. Dem ist jedoch nicht unbedingt so, denn auch Pflanzen und somit auch pflanzliche Wirkstoffe können Allergien auslösen. Wer gegen eine bestimmte Pflanze, Blüte oder Polle allergisch reagiert, wird dies auch bei einem Pflegeprodukt tun, in dem der entsprechende pflanzliche Wirkstoff enthalten ist. Gerade bei Anwendungen im Gesicht empfiehlt es sich deshalb im Zweifelsfall, das Produkt erst einmal an einer anderen Körperstelle auf kleiner Fläche zu testen. Hierbei müssen Sie beachten, dass allergische Reaktionen meist erst nach drei bis vier Tagen auftreten - warten Sie diese Zeit also erst ab, bevor Sie das Mittel großflächig benutzen.

Autorin: Anne Bartel, Platinnetz-Redaktion

Datum: 28. Mai 2009