Die wohl verfänglichste Frage der Menschheitsgeschichte lautet: "Schatz, habe ich in letzter Zeit eigentlich zugenommen?" Jetzt sitzt der Mann ganz schön in der Patsche, denn so gut wie alles, was er jetzt antwortet, ist falsch. Zumindest aus weiblicher Sicht. Sagt er "nein", wird sie ihn fragen "Aha. Dann war ich also immer schon so fett, ja?" Sagt er "ja", ist der Streit vorprogrammiert. Egal wie er es dreht und wendet, wenn er nicht genau das sagt, was sie hören möchte, wird sie enttäuscht, traurig, verletzt und wütend sein. Das Problem: Er hat absolut keine Ahnung, was sie hören möchte - er äußert einfach seine Meinung. Eine solche Situation ist geprägt vom typischen Mann-Frau-Problem. Sie möchte einfach nur etwas Nettes hören und geht davon aus, dass ihr Partner ja eigentlich wissen sollte, was das sein könnte. Er geht davon aus, dass die Frau ihn etwas fragt, weil sie die Antwort selbst nicht kennt. Er möchte ihr helfen und sagt ihr die Wahrheit, damit sie die benötige Information erhält. Beide haben also zwei vollkommen verschiedene Ausgangspositionen, erwarten aber, dass der Andere genauso denkt wie sie selbst. Dass diese Erwartung nur enttäuscht werden kann, liegt auf der Hand. Aber warum denken Frauen und Männer so unterschiedlich? Und wie kann man diesem vorprogrammierten Konflikt aus dem Weg gehen?

Unterschiede in der Kommunikation

Frauen kommunizieren anders als Männer. Während das weibliche Geschlecht eher emotional denkt, ist für Männer die Funktionalität wichtig. Weibliche Kommunikation ist geprägt von Vorsicht, Rücksichtnahme, Harmonie und einem großen Bedarf an vertrauensbildenden Signalen. Eine Frau spricht Wünsche nicht unbedingt wörtlich aus, sondern sendet Signale und erwartet von ihrem Partner, dass er sie erkennt, richtig auslegt und dementsprechend handelt. Da ein Mann bei Gesprächen Informationen meist offen austauscht, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass er ein verstecktes Signal gar nicht wahrnimmt. Eine entsprechende Situation wäre zum Beispiel: Ein Paar sitzt im Restaurant und ist gerade mit der Hauptspeise fertig. Am Nachbartisch wird ein Nachtisch mit sprühenden Wunderkerzen serviert. Sie: "Oh, guck mal da. Sieht das nicht toll aus? Richtig romantisch..." Er: "Ähm, ja. Sehr schön." Ihn hat dieses Schauspiel nicht sonderlich beeindruckt und er bestellt den Schokoladenpudding zum Nachtisch. Sie ist furchtbar davon enttäuscht, dass er so unromantisch ist. Obwohl sie ihm, ihrer Meinung nach, doch gesagt hat, dass er ihr mit dem anderen Nachtisch eine Freude gemacht hätte, hat er ihn nicht für sie bestellt. In solchen Situationen hilft es, wenn beide Partner um die unterschiedliche Denkweisen von Mann und Frau wissen. Um des lieben Frieden Willens sollte sie sich in Zukunft bemühen, ihre Wünsche konkreter zu äußern. Er dagegen sollte versuchen, seiner Liebsten insgesamt mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Also nicht nur ihre Worte zu hören, sondern auch auf ihre Stimmungslage einzugehen.

Unterschiede bei der Problemlösung

Psychologische Test zeigen immer wieder: In den meisten Bereichen des täglichen Lebens finden Männer und Frauen vergleichbar schnell einen Weg zur Lösung ihres Problems. Dass dieser Weg jedoch unter Umständen vollkommen verschieden sein kann, liegt daran, dass im weiblichen Gehirn andere Prozesse aktiviert werden als im männlichen. Folgende Situation: Ein Mann versucht einer Frau, die sich in einer für sie fremden Stadt befindet, den Weg zu erklären. Er: "Sie müssen von hier aus 200 Meter Richtung Süden gehen. Dann wenden Sie sich nach links und nach etwa 300 Meter gehen Sie dann einfach in Richtung Fluss, dann stoßen Sie nach 40 Metern genau auf das Kaufhaus." Für die meisten Frauen dürfte diese Beschreibung so hilfreich sein wie eine Schneeschippe im Hochsommer. Frauen orientieren sich einfach anders als Männer. Bei einer Frau hätte sich die gleiche Beschreibung wahrscheinlich eher so angehört: "Sie gehen diese Straße runter bis zur Post. An der Ecke biegen Sie dann links ab. Dann gehen Sie geradeaus und an der zweiten Ampel nach rechts. Dann kommen Sie an einer Tankstelle vorbei und direkt dahinter ist das Kaufhaus." Während Männer sich an geometrischen Kriterien orientieren, fällt es Frauen leichter, sich anhand auffälliger Objekte wie Gebäuden oder Geschäften zurecht zu finden.

Frauen und Männer sind einfach unterschiedlich gestrickt. Psychologen wie John Gray führen dies nicht nur auf evolutionsgeschichtliche Hintergründe zurück, sondern auch auf kulturelle. In Büchern wie "Männer sind anders. Frauen auch" und "Männer sind vom Mars, Frauen von der Venus" versucht er über die Unterschiede aufzuklären und ein gegenseitiges Verständnis für die Andersartigkeit des Partners zu schaffen. Denn das Problem ist, dass es diese Unterschiede gibt und sie sich auch nicht ändern lassen. Die einzige Möglichkeit, mit ihnen umzugehen, ist, Verständnis dafür zu haben und sich bewusst zu machen: Unser Gegenüber verhält sich anders als wir es erwarten, weil er eben einfach anders denkt als wir und nicht, weil er uns verletzen möchte.

Autorin: Anne Bartel, Platinnetz-Redaktion

Datum: 03. Juni 2009