Trotz aller sexuellen und partnerschaftlichen Veränderungen der letzten Jahrhunderte ist eines konstant geblieben: Die Sehnsucht nach der großen Liebe. Doch die Realität sieht anders aus. Der Wunsch vom Zusammenhalt in guten und in schlechten Zeiten ist statistisch überholt: Jede zweite bis dritte Ehe wird in Deutschland geschieden. Den Zahlen trotzen hartnäckig die Ehen der älteren Generationen, die auf ein jahrzehntelanges Zusammenleben zurückblicken können. Was machen wir also falsch? Oder sind vielleicht gar nicht wir, sondern die Umstände schuld?

Geldsorgen und lange Arbeitszeiten sind häufiger Trennungsgrund

Es ist noch gar nicht lange her, da waren Ehen arrangiert und galten als zweckgebundene Beziehungen. Erst um 1900 hatte es sich durchgesetzt, seinen Partner der Liebe wegen zu wählen. Frauen und Männer sind finanziell selbstständiger geworden, auch Kinder sind kein zwingender Grund mehr, zusammen zu bleiben. Die Entscheidung für Beständigkeit wird auf einer freiwilligen Basis getroffen. Soziologen sprechen von einer „seriellen Monogamie“ und bezeichnen damit ein Phänomen der modernen Gesellschaft: Zwar suchen die Menschen nach Liebe und einer stabilen und treuen Partnerschaft fürs Leben, scheitern aber immer wieder.

Die Gründe für gescheiterte Beziehungen sehen die Experten allgemein in den gestiegenen Anforderungen im Berufsleben. Geldsorgen und lange Arbeitszeiten sind häufig ein Streitthema und nicht selten ein Trennungsgrund. Auch Gedanken an die Selbstverwirklichung haben häufig eine höhere Priorität als die Familie.

Die Liebe allein reicht nicht

Der Schweizer Paartherapeut Jürg Willi führt die steigende Scheidungsrate auf die unrealistischen Erwartungen an die Ehe zurück: „In einer Partnerschaft gibt es nicht nur Glück, sondern auch Krisen und Streit“, betont der Experte und trifft damit genau den wunden Punkt. Frei nach dem Motto „Warum kompliziert, wenn es einfach geht“ würden wir am liebsten die schlechten Zeiten überspringen und uns krampfhaft nur an die guten Zeiten halten. Das Resultat ist eine sinkende Bereitschaft, sich mit Problemen auseinanderzusetzen. Fleißig unterstützt vom Bestseller-Ratgeber „Vereinfachen Sie Ihr Leben“ beginnen wir, unsere Wohnung und Garage zu entrümpeln und entsorgen im Eifer des Gefechts auch unsere Beziehung.

Ulrich Clement, ein Emotionspsychologe, formuliert das, was unsere Großeltern schon längst gewusst haben müssen: „Liebe allein reicht nicht“. Anfangs sind wir von der Liebe fasziniert, wir sind ihr ausgesetzt und können nicht anders. Mittlerweile gibt es biologische Theorien, nach denen bestimmte Hormonkonstellationen dafür sorgen, dass wir nicht mehr Herr unserer Sinne sind. Das Hormon Adrenalin bewirkt, dass wir im Verliebtheitsrausch schweben. Aber das Gefühl allein reicht nicht, wenn eine Beziehung gelingen soll. Denn was vielen Menschen nicht klar ist: Liebe und Partnerschaft sind nicht dasselbe. Die Partnerschaft lässt sich aushandeln. Man kann zum Partner sagen: „Ich habe in die Partnerschaft viel investiert, jetzt bist du dran“. In der Liebe ist es nicht möglich, man kann sie nicht einfordern. Und noch ein Unterschied ist wichtig: Liebe funktioniert auch einseitig, eine einseitige Partnerschaft hat auf Dauer kein Bestand.

Auf der Suche nach dauerhafter Glückseligkeit sollte man sich also nicht nur auf sein Gefühl verlassen. Der Psychologe empfiehlt, das Element der Freundschaft in die Beziehung mit einzubringen. „Liebende, die keine Freunde sind, haben schlechte Karten“, erklärt er und belegt die Aussage damit, dass Menschen, die lange zusammen sind, eher vom Respekt füreinander als von Liebe sprechen.

Ewige Liebe ist Arbeit

Die ewige Liebe: Gibt es sie oder gibt es sie nicht? Das ist hier die Frage. „Ja, die gibt es“, meint Arthur Aron, jedoch nicht geschenkt. Besteht der Anfang der Liebe aus Leidenschaft und Gefühl, ist ihr Fortbestand harte Arbeit. Er schlägt vor, zu den Wurzeln der Beziehung zurückzukehren. Die Aufregung und das Hormon Adrenalin, die anfänglich die Leidenschaft entfacht haben, seien auch die besten Mittel, die Liebe langfristig zu erhalten.

Der Forscher belegte seine Vermutungen in einem Versuch, bei dem er Paare an Händen und Füssen zusammen band und sie gemeinsam auf einen Hindernislauf schickte. Nachdem die Fesseln gelöst waren, fühlten sich die Partner einander näher als vor dem Experiment. „Gemeinsame Herausforderungen schweißen ein Paar zusammen“, fasste Aron seine Forschungsergebnisse über Partnerschaft und die Liebe zusammen.

Ob eine Beziehung zwischen zwei Menschen Bestand hat, ist der schweizerischen Firma zufolge dann der Fall, „wenn zwei Menschen genetisch kompatibel sind.“ Aber reichen die Gene tatsächlich so weit in die Zukunft?

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Autor: Angelika Berenboim, Platinnetz-Redaktion