Bindungsangst - Liebe mit Hindernissen
Wohl jeder war schon einmal in der Situation, in der man nicht wusste, was man sagen sollte. Einige Menschen sind ständig unsicher, aus Angst etwas falsch zu machen. Dabei kann der Betroffene nicht anders, als sich aus einer Unterhaltung zurückzuziehen und befangen Boden und Wände nach Staub abzusuchen.
Schüchterne Menschen sind meist genau gegenüber den Menschen verschlossen und emotional kühl, die sie sympathisch finden. Zu groß ist hier die Angst, etwas Falsches zu sagen oder zu machen. Denn sie kennen sich bereits mit negativen Gegenreaktionen oder ausbleibenden Erfolgserlebnissen aus und vermeiden so im Vorhinein lieber eine persönliche Enttäuschung. Gerade zu Beginn einer Beziehung kann die Schüchternheit das Glück hemmen. Doch gerade hier sollte man nicht zu schnell über sich urteilen! Denn zart errötende Wangen oder akute Sprachlosigkeit werden vom Gegenüber oft als charmant wahrgenommen.
Hierbei können gut gemeinte Ratschläge von Freunden fehl am Platz sein. “Du schaffst das schon” oder “wird schon schief gehen” will man gar nicht hören. Nett gemeint, aber nein danke!
Vor der ersten Verabredung kann es helfen, wenn man kurz vorher etwas für sein Selbstwertgefühl tut. Je nach Charakter ist etwas anderes sinnvoll: Grimassen ziehen vor dem Spiegel, einmal so laut schreien wie es geht oder zur Lieblingsmusik tanzen und schrill singen. Das steigert das Selbstbewusstsein, lockert auf und verringert die Nervosität.
Für die Verabredung sollte man besser keinen Plan aufstellen wie z.B. sich aus Angst vor unangenehmen Pausen Fragen aufschreiben, die man Schritt für Schritt durchgehen kann. Hat man nämlich solch einen exakten Plan, versucht man sich krampfhaft daran zu halten - und das kann bei einer Verabredung wirklich schief gehen!
Ähnlich geht es auch Menschen, die frisch in einer Beziehung angekommen sind. Die Hürde vom Single-Dasein zum Pärchen-Status ist geschafft und man freut sich auf zwanglose, lockere und zärtliche Zweisamkeit. Doch von heiteren Gesprächen, Liebkosungen, tiefen Blicken in die Augen und schönen neuen Erfahrungen mit der oder dem Liebsten fehlt jede Spur.
Wenn der eigene Partner diesen Charakterzug nicht schon längst bemerkt hat, sollte man ihn offen darauf ansprechen. Dann weiß der Partner damit umzugehen und kann helfen, die Schüchternheit zu überwinden. Für sich selbst gilt: üben, üben, üben. Seien Sie derjenige, der den nächsten Schritt geht. Das kann schon eine zärtliche Berührung ohne Anlass sein oder ein Kuss zwischendurch. Werden Sie sich klar darüber, was Sie wirklich wollen und gehen Sie nicht automatisch den Weg, der am bequemsten erscheint.
Haben Sie keine Angst vor Ihrer Schüchternheit. Sie ist ein Charakterzug, der Ihr Wesen ausmacht und durch den Sie sich von der breiten Masse unterscheiden.
Autorin: Juliana Vilbusch, Platinnetz-Redaktion
Datum: 13. Juli 2011