Platinnetz: Was hat Sie an dem Thema „Drei sind einer zu viel“ gereizt? Wie sind Sie auf die Idee gekommen darüber zu schreiben?

Regine Schneider: Natürlich habe ich selbst Erfahrungen gemacht mit einer Ex-Frau, die lange Zeit eine große Belastung war. Nachdem ich mich mit meiner Kollegin, die diese Probleme auch kannte und wie ich Journalistin ist, ausgetauscht hatte, hatten wir die Idee zu einem Buch.

Platinnetz: War die Recherche schwierig, oder reden die Menschen gerne über dieses Thema?

Regine Schneider: Nein, die Recherche war nicht schwierig. Unsere Interviewpartnerinnen waren froh, sich ihre Erfahrungen einmal von der Seele reden zu können. Als „Siegerin“ hatten sie oft das Gefühl, sie müssten sich alles bieten lassen und dürften nicht klagen. Schließlich hatten sie den Mann bekommen, den die andere verloren hatte.

Platinnetz: In Ihrem Buch taucht der Begriff „Schattenfrauen“ auf, welche Bedeutung hat er?

Regine Schneider: Schattenfrau heißt, dass die Ex oft hinter den Kulissen über die Kinder, den Besitz oder andere Sachzwänge versucht, eine gewisse Macht über ihren Mann zu behalten. Wie ein Schatten, den man nicht los wird.

Platinnetz: Liegt es manchmal an uns selbst, wenn der Expartner in der Beziehung zum Thema wird?

Regine Schneider: Sicherlich ist auch eine eigene Haltung gefragt. Eine Ex, die vielleicht Mutter der Kinder ist, kann man ja nicht einfach ausblenden. Und Eifersucht spielt nun mal eine Rolle, wenn die Ex versucht, in der neuen Beziehung mitzuregieren, was ihr ja auch oft genug gelingt. Es ist eine Gradwanderung gefragt aus grundsätzlichem Wohlwollen, erwachsener Akzeptanz und berechtigter Forderung nach gesunder Abgrenzung des neuen Partners nötig, die auch der Neuen nicht immer gelingt.

Platinnetz: Wie merke ich, ob der Expartner tatsächlich noch oder nur in meinem Kopf eine Rolle spielt?

Regine Schneider: Daran, wie der neue Partner sich verhält. Wenn er ständig mit ihr telefoniert und springt, wenn sie ruft, hat er sich nicht abgenabelt.

Platinnetz: Gibt es überhaupt eine Beziehung, in der die Expartner keine Rolle spielen?

Regine Schneider: Wenn keine Kinder da sind, kann man sich besser abnabeln und einen Schlussstrich ziehen.

Platinnetz: Der Fokus liegt im Buch auf den Expartnerinnen, ist es tatsächlich so, dass  Ex-Partner keine oder nur eine geringe Rolle in einer neuen Beziehung spielen? Wenn ja, was sind die Gründe hierfür?

Regine Schneider: Männer gehen anders damit um. Die suchen sich ne Neue und gut ist.

Platinnetz: Sie empfehlen den Kontakt zum Expartner nicht fortzuführen. Gilt das auch, wenn man eine neue Beziehung hat, in der man glücklich ist?

Regine Schneider: Es ist sehr schwierig, aus einer Liebesbeziehung eine Freundschaft zu machen. Warum auch? Diese Frage sollte man sich erst mal ehrlich beantworten, ehe man sich bemüht, den Kontakt zum Expartner zu halten.

Platinnetz: Ist der Partner ohne Vorgeschichte der optimale Partner?

Regine Schneider: Kommt drauf an, wie alt er ist. Ein 50-jähriger ohne Vorgeschichte lässt vermuten, dass er nicht besonders beziehungsfähig war. Oder vielleicht ein Muttersöhnchen. Ich habe mal einen 60-jährigen kennen gelernt, der suchte sich eine Frau, als seine Mutter gestorben war. So lange hatte er mit ihr zusammengelebt.

Platinnetz: Spielt es eine Rolle, wer wen verlassen hat? Wird die Expartnerin zur größeren „Bedrohung“, wenn sie es war, die die Beziehung beendet hat?

Regine Schneider: Komischerweise können auch Frauen, die selbst gegangen sind, nicht loslassen, wenn eine Neue da ist. Es sind keineswegs nur die verlassenen Ehefrauen, die klammern.

Platinnetz: Wie geht man aus Ihrer Sicht am besten mit einer Trennungs-Situation um, wenn Kinder im Spiel sind?

Regine Schneider: Mit vorhandenen Kindern muss man sich arrangieren. Man muss sie allerdings weder lieben noch ihnen die bessere Mutter sein.

Platinnetz: Gibt es institutionelle Hürden, die eine Trennung erschweren?

Regine Schneider: Klar, schon allein der Scheidungsprozess und die Kosten, die auf einen zukommen, schrecken ja ab.

Platinnetz: Haben Sie selbst neue Erkenntnisse gewonnen? Würden Sie heute eventuell manches anders machen?

Regine Schneider: Am besten, wenn man einen Partner kennen lernt, der noch in einer Beziehung steckt, ist es, zu sagen, melde dich, wenn du dich soweit gelöst hast, dass du dich in eine neue Beziehung einbringen kannst. Nach meiner Erfahrung ist es immer belastend, wenn ein neuer Partner sich noch nicht richtig aus einer alten Beziehung gelöst hat. Dann sollte man warten können, was in der Praxis natürlich sehr schwer ist, vor allem, wenn man verliebt ist.

Platinnetz: Ich bedanke mich ganz herzlich für das Gespräch.

Mehr zum Thema finden Sie im Buch:

Drei sind einer zu viel: Wie man den Expartner in die Wüste schickt

Autorinnen: Kerstin Schneider und Regine Schneider

ISBN 978-3-491-40144-0

Das Interview führte Dorothee Ragg, Platinnetz-Redaktion.

Datum: 31. August 2009