Er sucht sie - was Mann sich wünscht
Die Partnersuche läuft nicht überall auf der Welt in der gleichen Art und Weise ab. In Amerika wird so oft wie möglich gedatet, in Indien führt meist ein Mausklick zum Eheglück und in China preisen Eltern, Onkel oder Tante die ledigen Verwandten im Park an. Finden sich in anderen Kulturen vielleicht Konzepte, die man sich abschauen sollte?
So unterschiedlich die Kulturen, so verschieden auch die Art, Verabredungen zu treffen. Dabei scheinen die Strategien anderer Kulturen durchaus effektiver zu sein als das europäische Konzept des Kennenlernens. Während man hierzulande viel Wert auf eine längere Kennenlernphase legt, in der beide Partner ausloten können, ob sie langfristig zueinander passen, vereinfachen sich andere Kulturen dieses Prozedere.
Das amerikanische Dating ähnelt vielleicht zumindest auf den ersten Blick noch unseren Formen der Verabredungen. Doch sind die klaren, ungeschriebenen, aber festgelegten Grundsätze schon dem ein oder anderen Europäer in den USA zum Stolperstein geworden. Zum transatlantischen Paarungsproblem kann bereits schon die Frage nach einer Verabredung werden. Zwar ist die Kontaktaufnahme meist kein Problem, da Amerikaner in der Regel keine großen Hemmungen haben, ihre Handy-Nummer weiter zu geben. Doch fragt man dann nach dem ersten Date, sollte man wissen, dass das erste Treffen niemals am Wochenende stattfinden darf. Das ist tabu, weil es zum einen bereits eine besondere Zuneigung ausdrückt, die vor dem ersten Date seltsam anmutet. Und zweitens signalisiert man damit eine Art Notstand und einen Mangel an sozialen Kontakten. Zum Date holt der Mann die Frau ab und bringt sie in der Regel danach auch wieder bis zur Tür. War das erste Date erfolgreich, dann muss die nächste Verabredung in einem Restaurant stattfinden - gezahlt wird übrigens immer vom Mann. Bei der Ortswahl für das dritte Date gibt es keine festen Regeln mehr. Doch auch, wenn man bereits mehrere erfolgreiche Dates hatte und diese ab dem dritten eventuell sogar romantisch in einer der beiden Wohnungen hat ausklingen lassen, besteht noch kein Recht auf Exklusivität. Amerikaner betreiben nämlich multiples Dating, um möglichst große Erfolgschancen zu haben.
Moderne Inder suchen ihren neuen Partner immer öfter im Internet. Zwar sind es bei den jüngeren Menschen in der Regel die Eltern oder älteren Verwandten, die für den heiratsfähigen Inder nach einem Partner forschen, doch auch die reiferen Generationen suchen ihr Glück mehr und mehr online. Im Vordergrund steht dabei das Ziel, möglichst schnell einen Ehepartner zu finden. Der Heiratsmarkt in Indien boomt und es werden schnell mal an die 10.000 Euro für eine mittelständische Hochzeit investiert. Dabei haben die Heiratsvermittlungen einen wichtigen Stellenwert eingenommen - Schätzungen besagen, dass in diesem Bereich etwa 180 Millionen Euro im Jahr umgesetzt werden. Da auch bis heute nur ein kleiner Bruchteil der Inder online ist, haben einige Internet-Singlebörsen Filialen in den Städten eingerichtet, die als Schnittstelle für den User dienen können. Hier kann man hinkommen, wenn man selbst keinen Internetanschluss hat. Dort verschmelzen dann moderne Technologie und alte Traditionen. Denn ob ein online ermittelter Partner wirklich zu einem passt, erfährt man erst nach dem Abgleich der jeweiligen Horoskope. Ein Vorschlag der Suchmaschine kann nur in Betracht gezogen werden, nachdem Geburtsdatum und exakte Geburtszeit beider Partner miteinander abgeglichen und als passend beurteilt wurden. Die größte der indischen Heiratsagenturen kann bereits mit über 800.000 erfolgreichen Heiratsvermittlungen werben.
Die Partnersuche in China ist in der Regel sehr materialistisch orientiert. Ein potentieller Ehemann muss den finanziellen Vorstellungen der Braut und wahrscheinlich auch deren Familie genügen. Aus diesem Grund ist es auch nicht ungewöhnlich, wenn beim ersten Kennenlernen sofort über Verdienst und materielle Besitztümer gesprochen wird. Für Chinesen, die mit Mitte oder gar Ende zwanzig noch keinen Partner gefunden haben, übernehmen meist die Eltern oder Verwandten die Suche. Das geschieht dann auf dem Heiratsvermittlungsmarkt, der beispielsweise in einem Park abgehalten wird. Die Eltern preisen auf einem Schild die Vorzüge ihres Kindes an, wie etwa: "Männlich, Jahrgang 1984, 1,70 groß, Universitätsabschluss, Monatseinkommen 8000 RMB (ca. 800 Euro), Wohnung vorhanden". Die E-Mail-Adresse von potentiellen Interessenten wird entgegen genommen und der Sprößling selbst setzt sich im Anschluss mit ihnen in Verbindung. In den größeren Städten gibt es, vor allem auch für die etwas ältere Generation, sogenannte "Partnersuchclubs". Die werden von den Chinesen nach der Arbeit aufgesucht. Hier finden Speed-Datings statt, bei denen man versucht, möglichst viele verschiedene potentielle Partner in möglichst kurzer Zeit zu treffen. Findet man jemanden, bei dem auf Anhieb Finanzen und Vorstellungen passen, trifft man sich an einem der nächsten Abende zum ersten Date.
Diese kleine Auswahl zeigt wie unterschiedlich die Partnersuche in verschiedenen Kulturen abläuft und bietet Möglichkeiten, sich das ein oder andere abzugucken. Die amerikanische Tradition, die Frau zur Verabredung abzuholen, würde mit Sicherheit auch hierzulande beim weiblichen Geschlecht gut ankommen. Da man sich in unseren Breitengraden zu den ersten Verabredungen meistens erst im Lokal selbst trifft, zeigt ein Mann, der die Frau abholt eine besondere und schmeichelnde Aufmerksamkeit. Und das würde bestimmt dazu beitragen, dass der Kennenlern-Start gut verläuft. Die indische Internet-Affinität hat mit Sicherheit große Vorteile, um neue Menschen kennen zu lernen. Zwar ist es in Deutschland eher unüblich auf diese Weise direkt und explizit einen Partner für die Ehe zu finden, doch zur ersten Kontaktaufnahme eignet sich eine Online-Börse sehr gut. Ist der Kontakt erst hergestellt, lässt sich nach dem ersten realen Treffen immer noch entscheiden ob und wie sympathisch einem der andere wirklich ist.
Das chinesische Prinzip der Heiratsvermittlung lässt sich auf die deutschen Verhältnisse nur schwerlich übertragen. Das Speed-Dating ist jedoch auch hierzulande nichts Unbekanntes mehr. Es genießt zwar noch einen recht schlechten Ruf, weil es meist mit einer eher krampfhaften Partnersuche gleich gesetzt wird. Wenn man sich jedoch davon lösen kann, stellt dieses Konzept durchaus eine einfache und schnelle Möglichkeit dar, um neue Menschen kennen zu lernen und eventuell dabei sogar mal auf jemanden zu stoßen, der zum Freund oder vielleicht sogar zum Partner wird.
Autorin: Anne Bartel, Platinnetz-Redaktion
Datum: 05. August 2009